Fürwahr eine Bärin von Hohen-Esp.

So hatte sich Gabriele sie nicht vorgestellt.

Sie glaubte eine finstere, strenge, kalte Matrone vorzufinden, eine Herrin, welche mit weltfeindlichem Sinne hier gebietet, — nicht aber diese friedliche, milde, schlichte und einfache Frau, welche bei all ihrer vornehmen Würde so viel herzgewinnende Güte hat.

Schon auf den ersten Blick gefiel ihr »Frau Herzeleide«, und Gabriele empfindet es wie eine glückselige Vorahnung, daß sie diese Frau liebgewinnen wird wie eine Mutter.

Der Sohn ist verreist!

Unwillkürlich atmet sie auf.

So warm es ihr bei dem Anblick der Gräfin um das Herz geworden, so unbehaglich wird es ihr zumute, wenn sie an den Sohn denkt. —

Sie kann sich diesen schüchternen, linkischen Menschen so gar nicht in diesem Bärennest vergegenwärtigen!

Hier in diesen Mauern weht ein Odem alter versunkener Ritterherrlichkeit.

Hier atmet alles trotzige, kernige, stolze Urwüchsigkeit.