Schwere, seidendurchwirkte Gardinen hängen in steifen Falten zu beiden Seiten des Bettes hernieder, ein geschnitzter Sessel steht an dem spitzen Bogenfenster; unter altmodischem Spiegel, dessen verblaßter Goldrahmen in seinem Mittelstück eine Bärenjagd zeigt, steht der Waschtisch mit der eingelassenen Zinnschüssel von seltsamer Reliefarbeit. Gabriele tritt an das Fenster und blickt hinaus.
Der Regen rieselt an den kleinen, bleigefaßten Scheiben herab und trommelt einförmig auf dem Sims.
Man sieht nicht viel — nur den Eindruck hat man, daß man tief hinabblickt auf flaches Land und endlos gedehnte Waldungen. Fern im Hintergrund liegt wohl die See, die eintönige und einförmige See, welche sich so träge dehnt, sei es in blendender Sonnenhitze oder grau in grau, wie ein Nebelbild an regnerischem Frühlingstage.
Gleichgültig wendet sich Gabriele von ihrem Anblick ab und kniet vor dem Koffer nieder, um das Auspacken zu beginnen. Sie ist stets im Leben pünktlich gewesen und will bis zur Essensstunde fertig sein, um alsdann ihre Dienste der Gräfin widmen zu können.
XIX.
Das schlechte Wetter hielt an und zwang die Damen, im Zimmer zu verweilen.
Gabriele war eifrig bemüht, sich mit den Räumlichkeiten der Burg bekannt zu machen und der Gräfin möglichst zur Hand zu gehen. Zu ihrer Überraschung bemerkte sie, daß es so gut wie gar keine Arbeit für sie gab, denn Gundula verrichtete nach wie vor alle Obliegenheiten der Hausfrau und beaufsichtigte, schaltete und waltete wie sonst in Haus und Hof.
Gabriele begleitete sie zwar auf Schritt und Tritt und bemühte sich, hier und da kleine Handreichungen zu leisten, doch schien ihr diese Beschäftigung schließlich so unbedeutend, daß sie die Gräfin um Arbeit bat.
Diese lächelte.