»Friedrich Karl ... laß uns fort von hier!« flehte Gundula abermals, und diesmal rollten ein paar große Tränen über ihre Wangen und netzten seine Hand.

Er zuckte zusammen.

»Wenn du befiehlst, sofort, mein Liebling! O, du glaubst doch nicht etwa, der Spielteufel habe mehr Gewalt über mich, als dieser süße Engel, welchen ich mir selbst zum Wächter meines Glückes gesetzt habe?«

Und er schellte seinem Kammerdiener und teilte ihm mit, daß mit dem Kurierzug am nächsten Vormittag weitergereist werden solle. So unbeschreiblich glücklich, wie in dieser Stunde, war Gundula nie wieder.

Nein, ihr Mann war kein Spieler, er war zum mindesten kein verblendeter und leidenschaftlicher Spieler, welcher keinem Zuspruch und keiner Bitte mehr zugänglich war. Sie konnte ihm zuversichtlich vertrauen — und diese Gewißheit beseligte sie.

Die nächstfolgenden Jahre verlebte das junge Paar in Saus und Braus in der heimatlichen Residenz. Graf Hohen-Esp machte ein glänzendes Haus, und da er nie im Leben gefragt hatte: »kann ich mir dies oder jenes gestatten«, so fragte er auch jetzt nicht danach, sondern war sehr erstaunt, als sein Administrator ihm eines Tages eröffnete, er sei nicht in der Lage, noch mehr Gelder zu zahlen, da die zuständigen Revenuen bereits an die Adresse des Herrn Grafen abgeführt seien.

»Was? ei zum Teufel! Wir haben ja das neue Quartal kaum angefangen?« — staunte Friedrich Karl, die Zigarette im Mund, die Hände in den Taschen seines Jacketts versenkt. »Sonst war das doch sehr viel mehr?«

»Herr Graf vergessen, daß das Kapital sehr abgenommen hat; die Summen, welche nach Monte Carlo geschickt wurden, die Ehrenschuld, welche an Herrn von X. — und diejenige, welche nach Wiesbaden abgesandt wurde ...«

»Donnerwetter! ist das so ins Geld gelaufen?« wunderte sich der junge Mann sehr gelassen, »das ist ja fatal. Aber ich muß doch momentan was haben! — Vom nächsten Quartal an können wir ja manches sparsamer einrichten. Aber gerade jetzt muß ich so mancherlei berappen ... was fangen wir da an, Alterchen?« —

Der Beamte zuckte etwas besorgt die Achseln.