Gabriele erhob sich und trat eilig an das Fenster, um hinauszublicken.
»Ja, es ist der Graf!« — rief sie der Burgfrau zu, und ihre Stimme klang nicht um einen Hauch erregter wie sonst.
XX.
Gabriele wollte das erste Wiedersehn zwischen Mutter und Sohn nicht stören, und da bereits der schwere, spornklirrende Schritt Guntram Kraffts auf den Steinstufen der Vortreppe ertönte und sie die Tür der Halle nicht mehr erreichen konnte, ohne von dem Eintretenden gesehen zu werden, blieb sie an dem Fenster stehen und blickte mit nicht gerade sympathischen Empfindungen dem jungen Mann entgegen.
Wie ungeniert und behaglich hatte man ohne ihn hier gelebt!
Nun wird selbstredend ein gewisser Wandel eintreten und das gemütliche Zusammensein beeinträchtigen.
Gabriele wird sich gern einem jeden Zwang fügen, welchen der Verkehr mit einem jungen Herrn mit sich bringt, wenn ihr der Bär von Hohen-Esp nur nicht mit dem anbetenden Entzücken begegnet, wie in der Residenz!
Das würde ihr furchtbar sein und ihren Aufenthalt hier unmöglich machen, und doch tät es ihr leid, von der Gräfin und der Burg hier zu scheiden.
Die Gräfin hat sie bereits sehr liebgewonnen, und das alte Bärennest ist just das, was auf ihr so poetisch veranlagtes Gemüt einen hohen Reiz ausübt!