Ja, er gleicht dem Wulffhardt auf dem Bilde droben, aber welch anderer Charakter und Mut trotzt auf dem lachenden Gesicht jenes Vorfahren!

Jetzt, als die Gräfin ihren Namen ruft, schrickt er empor, erhebt sich und weicht jäh zurück. Nun wird er sie wieder anstarren, verlegen lächeln und erröten, wie damals in der Residenz.

Gabriele tritt langsam von dem Fenster herzu, reicht dem Grafen sehr gelassen die Hand und sagt zwar freundlich, aber doch sehr förmlich und kühl: »Ich freue mich, Sie wiederzusehen, Graf Hohen-Esp und hoffe, Sie gönnen mir ein Plätzchen an der Seite Ihrer Frau Mutter!«

Sie versucht sogar zu scherzen und ist ein wenig überrascht, daß Guntram Krafft nicht mit entzücktem Lächeln quittiert. Der aber berührt kaum ihre Hand in flüchtigem Gruß, verneigt sich sehr tief, ohne sie anzusehen und sagt so fest und ruhig, wie sie seine Stimme noch nie vernommen: »Ich danke Ihnen, mein gnädiges Fräulein, daß Sie den Opfermut besitzen, in diese Einsamkeit zu kommen und meiner teuren Mutter Gesellschaft zu leisten. Möchte Ihnen Hohen-Esp nicht allzu eintönig erscheinen!«

Und dann küßt er die Hand der Gräfin und bittet: »Gestatte, Mama, daß ich mich umkleide, der Ritt war eilig und der Weg grundlos! In kürzester Zeit stehe ich wieder zu deiner Verfügung!«

»Selbstverständlich, Guntram! Wir warten mit dem Abendbrot auf dich!«

Er verneigte sich noch einmal kurz und spornklirrend vor den Damen und schreitet durch die Halle zurück.

Nachdenklich blickt ihm Gabriele nach. Welch eine Veränderung ist in der äußeren Erscheinung des Grafen vor sich gegangen! Wie stattlich und markig sah er in diesem etwas verwilderten Reitkostüm aus, so ganz anders, wie in dem hocheleganten, gräßlichen Frack und den Lackschuhen, welche so geborgt und ungehörig an ihm aussahen. Gewiß wird er sich jetzt wieder als Dandy zurechtmachen und als sehr schicker, moderner Jüngling wiederkehren. —

Schade darum! —

Währenddessen stürmte Guntram Krafft die gewundene Holzstiege empor, nach seinen Zimmern.