Er stieß ungestüm ein Fenster auf und atmete wie ein Erstickender die kühle Abendluft.
Sein Herz hämmerte zum Zerspringen. Der qualvolle, gefürchtete Augenblick, das Wiedersehn mit Gabriele war überwunden, aber ihm deuchte es, als müßte dasselbe sichtbare Spuren in sein Antlitz gegraben haben. Er hatte es nicht für möglich gehalten, daß er ihre Hand halten, mit höflichen Worten zu ihr sprechen könne.
Er hatte gezittert vor seiner eigenen Schwäche, oder der wilden, leidenschaftlichen Heftigkeit, welche gegen dieselbe revoltierte.
Er glaubte, ihren Anblick nicht ertragen zu können, und hatte doch ruhig und ernst vor ihr gestanden und zu ihr geredet, ohne mit einer Wimper zu zucken.
Wie war das möglich gewesen?
Weil Gabriele selbst ihm so ruhig, so harmlos, so freundlich gelassen entgegenkam.
Da zuckte es ihm plötzlich durch den Sinn: »Du Narr! Warum erregst du dich? Warum fürchtest du es, ihr in die Augen zu sehen? Hast du es nicht auch in der Residenz getan? Und was ist seit jener Zeit anders geworden?«
Nichts!
Gabriele ahnt ja nichts von der Indiskretion, welche Thea an ihr begangen!