Sie läßt es sich nicht träumen, daß der kleine Zettel, auf welchem sie sich so grausam für ewige Zeit von dem ruhm- und tatenlosen Hohen-Esper lossagt, wie fressend Gift auf seiner Brust liegt!

Sie weiß es nicht, welche Qualen sein Herz um ihretwillen erduldet, wie es tropfenweise verblutet ist an dem ersten, großen, namenlos bitteren Leid, welches es erfahren.

Nein, davon ahnt und weiß sie nichts!

Guntram Krafft reckt sich plötzlich empor und drückt die Hände gegen die Brust, als sei ein eiserner Panzer, welcher sie eingepreßt, jählings zersprungen.

Er atmet hoch auf, — er wirft das Haupt in den Nacken und schließt momentan die Augen.

Daß er sich darüber nicht schon früher klar geworden ist!

Gabriele kam völlig ahnungslos und harmlos hierher, er braucht weder ihr Mitleid noch ihren Spott zu fürchten.

Weiß sie denn, wie sehr, wie unaussprechlich er sie geliebt?

Nein! —