Gundulas Vater war sehr unerwartet an einem Herzschlag gestorben, und während des Trauerjahres, wo man doch nicht gut die Saison mitmachen konnte, unternahm Graf Hohen-Esp in Begleitung seiner Gemahlin eine Reise um die Welt.

»Du hast ja jetzt ein recht nettes Kapital geerbt, Liebchen!« sagte Friedrich Karl in seiner leichten, fröhlichen Art, »da könntest du mir eigentlich einen Gefallen tun! Es ist momentan schwer für mich, Geld flüssig zu machen, — du weißt, daß das bei Grundbesitz immer seinen Haken hat! Darum wäre es mir sehr lieb, du rücktest ein bißchen von deinem Mammon heraus, um die Reisekosten zu decken! Ja? Willst du? Wärest auch die beste Frau der Welt!«

Er küßte ihre Wangen und Hände, und sie lächelte ihr stilles, müdes Lächeln, schmiegte sich an ihn und nickte: »Nimm soviel du willst! Was soll ich mit dem Geld? Ich freue mich ja so, daß wir während der Reise endlich einmal uns wieder selbst angehören können!«

Und er nahm Geld, — soviel er wollte, denn die Reisekosten waren nicht gering.

Ach, wie hatte Gundula gehofft, daß sie das Trauerjahr still und behaglich in der schönen Einsamkeit von Hohen-Esp verleben würden, endlich, endlich einmal wieder glücklich zu sein, wie zu Anbeginn ihrer Ehe!

Statt dessen hub wieder ein ruheloses Wandern an, ein stetes Zusammenleben mit fremden Menschen, deren Mittelpunkt der schöne, liebenswürdige Graf ja ständig war!

Reiche Engländer und Amerikaner schlugen ein Spielchen vor ... und um die Langeweile der endlosen Seefahrten zu lindern, spielte Friedrich Karl; — manchmal mit Glück, — meist mit recht erheblichen Verlusten.

Und als man nach Jahr und Tag heimkam, teilte er seiner blassen Frau so en passant einmal mit, daß die Reiserei doch infam teuer gewesen sei und ein Heidengeld verschlungen habe! Das ererbte Kapital sei beinahe draufgegangen ... na, allzuviel war es ja nicht ... und da keine Kinder da sind, für die man zu sorgen hat, ist es ja gleichgültig, wo es bleibt! — Gundula hatte ohne ein Wort still vor sich hingenickt.

Nein, es waren keine Kinder da, für die man hätte sparen und sorgen müssen!

Der Graf setzte sich an den Flügel und spielte den feschen Walzer, welchen er jüngst zum erstenmal wieder in einem Ballsaal gehört hatte, und Gundula erhob sich lautlos, schritt über die weichen Teppiche nach ihrem kleinen Boudoir und grub laut aufschluchzend das bleiche Antlitz in die Atlaskissen.