Nein — es waren keine Kinder da, für die man hätte sparen und sorgen müssen!

Was ihr Mann achselzuckend, mit lachendem Munde als eine ja wohl fatale, aber doch nicht zu ändernde Tatsache aussprach, das fraß ihr seit Jahren schon wie nagend Todesweh am Herzen, das lastete auf ihr wie ein grausames Schicksal, wie eine Bürde, unter welcher sie freud- und trostlos daherschlich. —

Ein Sohn! — ach, daß sie einen Sohn hätte! Wenn sie zurückdenkt an jene ersten, traumseligen Wochen in Hohen-Esp, mit welch einer stolzen Glückseligkeit sie zu den gedunkelten Bildern an der Wand emporgeschaut und ihnen zugeflüstert hatte: »Einen Sohn will ich euch einst zuführen, einen jungen Bären, furchtlos, brav und rechtschaffen, ein Schirmvogt der Schwachen, ein Retter der Gefährdeten, ein Edelmann in Tat und Wort, — so wie ihr es gewesen seid!« —

Wie glühte ihr damals das Herz in der Brust voll stolzer Begeisterung, — wie träumte sie mit offenen Augen einen herrlichen, goldenen Traum! — Wehe ihr! es ist nur ein Traum gewesen und geblieben!

Kein Kind im Hause! —

Nur ein graues Gespenst schleicht darin herum, das klimpert mit Geldstücken und schlägt klatschend die Karten auf! —

Anfänglich hatte Gundula bitterlich weinend mit gefalteten Händen dagegen gerungen, dann aber sind diese Hände müde und matt geworden, ihr Herz schwer und starr, es hat nicht mehr in törichten Hoffnungen geglüht und nicht mehr bang gezittert, wenn sie sah, daß das Vermögen, das große, gewaltige Vermögen des Grafen von Hohen-Esp dahinschmolz!

Für wen sollte es erhalten bleiben?

Sie selber bedarf weder Glanz noch Üppigkeit, sie wird die Stunde segnen, wo die goldene Brücke, welche ihren Gatten in die falsche, bunte, treulose Welt führte, zusammenbricht.

Dann muß er bei ihr bleiben, dann wird sich nichts mehr zwischen sie drängen, dann wird sie vielleicht noch einmal in einem stillen, weltfernen Winkelchen glücklich sein!