Der Bär von Hohen-Esp lehnt sich weit vor in dem Fenster und blickt über die blühenden Obstbaumzweige hinweg, über die dunklen, schweigenden Wälder hinaus. Da hinten ... fern hinter den Wipfeln glänzt ein Streifen der See im silbernen Mondlicht! —

Wie hat Guntram Krafft sich in den stillen, einsamen Tagen von Walsleben nach ihrem Anblick gesehnt!

Voll leidenschaftlicher Innigkeit breitet er die Arme nach dem funkelnden Silberstreif aus.

»Du bist meine Geliebte, du blaue, herrliche, unergründliche See! Dir habe ich Treue gelobt, und dir halte ich sie! Auf deinem geheimnisvollen Grunde wohnen Nixen, die blicken aus denselben kristallhellen, wundersamen Augen wie Gabriele! Die haben Mitleid mit liebeskranken Menschenherzen und nehmen sie in die weißen Arme und betten sie drunten zu ewiger Ruhe, wenn ihnen das Leben zu schwer und unerträglich wird! — Dich will ich lieben, du blaue See — und du wirst den ruhm- und tatenlosen Mann von dir weisen!«

— Und Guntram Krafft hob mit finster trotzigem Blick das Haupt, entzündete eine Kerze und warf bei ihrem Flackerlicht die bespritzten Kleider von sich.

Sein Blick streifte die eleganten Anzüge, welche er aus der Welt draußen mit heimbrachte. Soll er sie jetzt wieder zu Ehren kommen lassen?

Ein beinahe rauhes Lachen.

Nein! Jene Zeit ist vergangen und nichts soll ihn mehr daran erinnern.

Kam das Fräulein von Sprendlingen in die Bärenhöhle, je nun, so mag sie sich auch mit dem bärenhaften Anblick ihres Bewohners abfinden!