Und er nimmt die schlichte Düffeljoppe und wirft sie über.
Der Bär von Hohen-Esp ist jetzt daheim! Da duldet sein zottiger Pelz den Tand nicht mehr, welchen man ihm in der Fremde um die Schultern gehängt! —
Guntram Krafft begreift es selber nicht, wie es ihm möglich ist, so ruhig und gleichmütig mit Gabriele zu verkehren.
Sie sehen sich allerdings nicht viel, eigentlich nur während der Tischstunden, und dann vermeidet er es, sie anzusehen, und antwortet ernst und zurückhaltend auf all das, was sie ihn freundlich und unbefangen fragt.
Er sieht und bemerkt es nicht, wie ihr Blick oft voll staunender Befriedigung seine hohe Gestalt streift, welche in der derben und praktischen Kleidung so ganz anders aussieht, so viel sicherer und selbstbewußter einherschreitet, wie dermalen auf dem Parkett.
Er beobachtet es auch nicht, wie erleichtert das junge Mädchen aufatmet, als sie seine Ruhe und Gelassenheit, die große Gleichgültigkeit im Verkehr mit ihr wahrnimmt.
Diese Veränderung deucht ihr eine Wohltat und macht sie fröhlicher und zutraulicher gegen ihn.
Sie redet ihn an, sie sucht ihn in das Gespräch zu ziehen, sie spricht selber lebhafter und heiterer wie zuvor, und wenn sein Blick sie hier und da flüchtig streift, so sieht er ihr sonniges Lächeln und die strahlenden Nixenaugen, welche zwar nicht mit dem Ausdruck auf ihm ruhen, wie ehemals auf dem bewunderten Dragoner, aber doch lange nicht mehr so kalt und abweisend blicken wie damals.
Und gerade dies wird ihm zur Qual und erschwert es ihm doppelt, seine unnatürliche Ruhe an ihrer Seite zu wahren.