»Ölzeug des Herrn Grafen?« — Gabriele mustert überrascht den seltsamen Rock, die mächtigen Stiefel und den ganz eigenartigen Hut: »Zu was gebraucht der Graf diese schwere Kleidung? Zieht er die wirklich an?«
Anton reißt die Augen weit auf: »Nun, das versteht sich! Herr Graf muß doch Ölzeug tragen, wenn er in Sturm und Wogenschwall hinausfährt! Bei den Spritzern, die es da setzt, würde er ohne diese Schutzkleidung bald bis auf die Haut durchnäßt sein!«
»Er fährt mit hinaus? — Auch bei schlechtem Wetter?«
Antons Arm mit dem Putzlappen sinkt herab. Er starrt die Fragerin ebenso überrascht an, wie sie ihn. —
»Wissen denn das gnädige Fräulein nicht, daß unser Herr Graf alle Rettungen und Ausfahrten immer persönlich leitet? Daß er unser kühnster und unerschrockenster Seefahrer ist? — Seine Lotsen hat er sich alle allein herangebildet — ebenso wie er jetzt den ganzen Schuppen aus eigenen Mitteln erbaut und ausgerüstet hat! Nun ist er sein eigener Herr, so ein rechter, wahrer Lotsenkommandeur, wie man noch einen zweiten finden soll! Das Hamelwaat hat nun wohl seine Schrecken für die Schiffer verloren, solange der Herr Graf als Retter in der Not die Riemen führt! Wußten das gnädige Fräulein das wirklich noch nicht?«
Gabriele blickt wie im Traum auf den Anzug in Antons Händen nieder.
»Nein, — das wußte ich nicht!« sagte sie mit leiser Stimme. »Ist solch eine Rettung eigentlich gefährlich? Ich kann mir das gar nicht vorstellen!«
»Gefährlich? Gott im Himmel erbarme sich! Der arme Riek ist das letztemal dabei geblieben, und seine Leiche ist bis zum heutigen Tage noch nicht geborgen! Haben das gnädige Fräulein denn nicht von der kühnen Tat des Herrn Grafen und seiner Lotsen ... ich meine im vergangenen Winter ... gehört? Wie sie die Unglückskerle von dem Wrack der ›Sophie Johanne‹ geholt haben? Nein? Na, die Rettungsmedaille haben sie sich alle dabei verdient — —«
»Die Rettungsmedaille? — Auch der Graf?«
»Nun, der doch in erster Linie!«