Gabriele strich langsam mit der Hand über die Stirn: »Nein — das wußte ich nicht!« murmelte sie, »aber ... ich möchte doch wohl einmal an den Strand gehen und das Meer wiedersehen!«
»Und ob, gnädiges Fräulein! Etwas Schöneres gibt es ja auf der ganzen Welt nicht!«
Bei Tisch war Fräulein von Sprendlingen stiller wie sonst, — ihr Blick haftete oft sinnend und forschend auf Guntram Krafft, als schaue sie ihn heut zum erstenmal.
Die Gräfin schien ganz mit der Zubereitung des Salats beschäftigt.
»Gehst du heute wieder zum Dorf, Guntram Krafft?« sagte sie plötzlich leichthin, »so habe, bitte, die Güte und nimm Fräulein Gabriele einmal mit! Denk dir, sie hat, seit sie hier ist, noch nicht ein einziges Mal die See in der Nähe gesehen.«
Ein beinahe finsterer Ausdruck lag auf der Stirn des Grafen.
»Damit würde ich Fräulein von Sprendlingen kaum einen Dienst erweisen, — sie liebt das Meer nicht!«
»Nein, ich liebe es nicht und begreife auch nicht, wie man es so schön finden kann!« bestätigte Gabriele harmlos. »Aber gerade darum möchte ich einmal wieder an den Strand gehen, um zu sehen, ob es hier ebenso langweilig ist wie in Heringsdorf!«
Gundula lachte: »Wie habe ich Ihre Aufrichtigkeit so gern, Gabriele! Wenn Sie sich nun doch einmal zu ein paar anerkennenden Worten über unser liebes Bernsteinmeer hinreißen lassen, so weiß ich wenigstens bestimmt, daß es Ihre wahre Meinung und nicht nur eine höfliche Redensart ist!«