»Ich kann Fräulein von Sprendlingen unmöglich zumuten, so lange drunten zu bleiben, wie ich am Schuppen zu tun habe. Ich bitte dich, uns zu begleiten, Mutter, damit ihr beiden Damen jederzeit heimkehren könnt.« —

»Gut! Ich bin gern bereit!« Gundulas Blick streifte das geneigte Antlitz des Sohnes, und sie lächelte abermals.

Es war ein außergewöhnlich milder, sonniger Frühlingstag.

Kein Lüftchen regte sich.

Blau — weit ... unendlich lag die See.

Voll kristallener Klarheit spannte sich der Himmel darüber aus und verschwamm am Horizont mit der Wasserflut, daß man kaum die zarte Linie unterscheiden konnte, welche Himmel und Erde trennt.

Der Sonnenglanz lag breit auf dem Wasser, es spiegelte und schimmerte, und die weißen Segel der Fischerboote zogen traumhaft still durch die Ferne.

Der Strandhafer knisterte leis unter den Schritten der Nahenden und über ihnen stiegen zwei Lerchen mit hellem Jubel in den offenen Himmel hinein.

Die Gräfin hatte eine Fischerfrau, welche am Strand saß und Steine und Tang aus den Netzen las, angesprochen und blieb momentan neben ihr stehen, sich nach diesem und jenem zu erkundigen; Gabriele und Guntram Krafft schritten weiter, nahe herzu bis auf den festen, hartgewaschenen Sand, über welchen in graziösen Linien der silberschaumige Saum einer kaum merklichen Brandung spült.

Der Graf hatte den Hut von dem Haupt gezogen und blickte wie verklärt in die sonnige Pracht hinaus, — es lag ein weicher, beinahe kindlich milder Zug auf dem schönen Antlitz, und Gabriele schaute verstohlen zu ihm auf und fand es zum erstenmal, daß dieser Ausdruck doch nicht so unsympathisch sei, wie es ihr im Ballsaal geschienen.