Die Hohen-Esp sind keine verwegenen Reiter, welche in Kriegszeiten sich den Lorbeer aus feindlichem Feuer holen, — und nur solche Heldentaten imponieren dem stolzen Sinn einer Sprendlingen!

Nach wenig Minuten rafft der junge Graf die Zeitungen zusammen, steht auf und empfiehlt sich kurz.

Die Nacht ist so schön und mondhell, — er will mit den Fischern hinausfahren, wenn sie die Netze auswerfen.

Gabriele sieht ihn erstaunt an.

»Das tut man in der Nacht? — Warum das? Ist solche Arbeit am Tage nicht müheloser und bequemer?«

Ein herber, beinahe etwas spöttischer Zug liegt plötzlich um seine Lippen.

»Mühelos und bequem ist sie nach Ansicht der Binnenländer stets, gnädiges Fräulein, man rudert ein wenig hin und her und schöpft das Schiff voll Heringe und Dorsche! Ob bei Sonnen- oder Mondenschein — das ist höchstens eine kleine Abwechslung in dem ewigen Einerlei!«

Gräfin Gundula dreht mit ganz seltsamem Lächeln den Faden, welcher ihr gerissen, wieder zusammen, Fräulein von Sprendlingen aber sieht so harmlos aus, als ob sie von den Worten des Sprechers ganz überzeugt sei, und sagt nur nachdenklich: »Und doch ertrinken so oft die Menschen dabei! Ihre Fischer werden doch vorsichtig sein?«

Da lacht er laut und hart auf. »Unbesorgt, mein gnädiges Fräulein, die See ist wie ein Tischtuch, sie ist so, wie Sie's nicht lieben, träge, ruhig und langweilig, und dann fordert sie keine Opfer!«