Ja, das ist wahrlich ein schöneres Bild denn sonst! Namentlich die Brandung gefällt ihr, welche sich wie duftige, schmale Tüllrüschen an dem Strand entlangschlängelt, spitz auslaufend wie ein zierliches Valenciennemuster, oder breit emporspülend um die Haufen von Seetang und angeschwemmten Gehölz! Ein zarter, silberduftiger Schaum, hier und da von der Sonne mit rosa Dufthauch gefärbt. Ja, die See ist im Sturm schön, fraglos schöner wie in ihrem bleiernen Schlaf, aber etwas sehr Gewaltiges und Imponierendes hat sie auch jetzt noch nicht nach Gabrieles Geschmack, und wenn die Gräfin in dem Sonnenuntergang ein verkörpertes Gedicht erblicken will, so begreift sie das auch jetzt noch nicht. Die rote Glut des Sonnenballs, die buntgefärbten Wolken ... ja, das ist fraglos ein schöner Anblick — aber mehr darin sehen, wie Sonne, Wolken und Wasser, nein, das kann sie nicht! —

Wie lustig dort ein Boot auf den Wellen schaukelt! Am liebsten möchte sich Gabriele hineinsetzen und auf- und niedergleiten durch die blauen Wogen!

Käme doch eine Menschenseele, welche sie darum bitten könnte!

Und Gabriele wendet sich zurück und blickt nach dem Rettungsschuppen und stößt einen leisen Laut der Überraschung aus.

Dort auf der Düne steht Graf Guntram Krafft! Ebenso gekleidet wie heute Nacht ... und er spricht mit zwei Fischern und scheint ihnen irgendwelche Anweisungen zu geben.

Jetzt sieht er sie, und Gabriele hebt freudig die Hand und winkt ihm zu.

Er scheint einen Augenblick zu zögern, dann verabschiedet er die Männer und schreitet ihr langsam entgegen.

Ein neuer Windstoß läßt den kleinen Filzhut auf Gabrieles Köpfchen abermals flüchtig werden, aber sie fängt ihn noch rechtzeitig auf und behält ihn in der Hand.

Immer langsamer schreitet Guntram Krafft. Sein Herz schlägt wieder heiß und ungestüm bei ihrem Anblick, der ihm reizender dünkt wie je.