»Ich hoffe, Sie lernen es von sicherem Lande aus noch besser kennen! Heute scherzt und spielt das Wasser nur, wenn es aber ernstlich böse wird, fahre ich Sie nicht hinaus.«

»Dann ist es gefährlich?«

»Sehr gefährlich! Nicht für mich, sondern für Sie!« —

Wieder zuckte ihr Blick zu ihm hinüber.

»Als Sie die Leute der ›Sophie Johanne‹ retteten, war es da solch ein Wetter wie heute?«

Guntram Krafft wandte seine ganze Aufmerksamkeit dem Boote zu, da er gern jede gebrochene Welle, so gut es anging, meiden und das Fahrzeug in die Lage bringen wollte, daß die See vor demselben brach.

»Die größte Macht des Sturmes war wohl vorüber,« sagte er lächelnd, »und das war ein Glück für die Mannschaft, sonst wäre es unmöglich gewesen, bei derart schwerer See an dem Wrack anzulegen. Es hängt da so viel von der Geschicklichkeit, dem gesunden Urteil und der Geistesgegenwart des Lotsen ab, daß ein günstiger Erfolg nie mit Sicherheit vorausgesehen werden kann.«

Einen Augenblick herrschte Schweigen, dann fuhr Guntram Krafft fort —: »Würden Sie die Güte haben, sich mir gegenüberzusetzen, gnädiges Fräulein, — Sie haben alsdann den vollen Anblick der sinkenden Sonne.«

Das Boot hatte die Brandung passiert und glitt nun in großen, ruhigen Bewegungen über die Wogen; der Graf, welcher erst mit voller Kraft und Aufmerksamkeit gerudert hatte, hielt die Riemen ruhiger und schaute mit sinnendem Blick nach dem Horizont, welchem der feurigrote Sonnenball langsam entgegensank und einen breiten, funkelnden Goldstreifen auf das Wasser malte, in den das Boot just hineintrieb.

Gabrieles reizende Gestalt war von hellem Purpurlicht übergossen, und ganz verstohlen streifte sie der Blick des Grafen. — Sein Atem ging schwer, seine Hände umkrampften die Riemen.