»Ich habe Ihnen so viele Mühe gemacht, Graf, ich danke Ihnen von Herzen!« Sie reichte ihm die Hand hin, und er umschloß sie mit kurzem, krampfhaftem Druck. Er murmelte ein paar Worte — sie verstand sie nicht, der Wind brauste daher, und Gabriele eilte geneigten Hauptes zur Burg.
XXIII.
Die Bäume des Waldes rauschten im Wind und neigten sich, und blickten in das bleiche, ernste Antlitz Gabrieles, welches ihnen so seltsam verändert deuchte. —
Wo war die kühle, gleichgültige Ruhe geblieben, welche sonst aus ihren Augen geschaut?
Jetzt leuchtete es darin so schnell und irrlichtartig, wie Gedanken, welche aufzucken und schwinden, welche dem Frührot gleichen, dessen Strahlen gegen die Schatten der Nacht kämpfen müssen, ehe sie leuchtenden Sieg erringen.
War dieser kraftvoll energische Mann, welcher sie soeben durch schäumende Wogen gerudert, welcher sie mit starkem Arm gehoben und an der Brust gehalten hatte, — war es derselbe schüchtern verlegene Jüngling, welcher im Ballsaal der Residenz so unsicher über das Parkett schritt, als vermisse er das Gängelband der Mutter? —
War diese poetisch schöne Erscheinung des wetterharten Seemanns dieselbe, welche ehemals in Frack und Lackschuhen so ungeschickt einherschritt, wie ein täppischer Bär, welchen man zur Kurzweil in Maskentand gekleidet?
Nein, es war nicht derselbe! Es war nicht möglich, nicht denkbar, daß binnen kurzer Zeit ein solcher Wechsel und Wandel mit einem Menschen vor sich gehen kann!
Gabriele blieb stehen und blickte mit weitoffenen Augen dem vorjährigen Herbstlaub nach, welches der Wind raschelnd vor ihr her, den Burgberg hinantrieb.