Ein Wandel?

Nein, es ist kein Wandel.

Guntram Krafft ist wohl stets der kernige Mann gewesen, wie er jetzt vor ihre Augen tritt; die kurze Gastrolle aber, welche er in der Residenz gegeben, hatte ein Zerrbild aus ihm gemacht, dessen weichliche Züge in nichts der Wahrheit glichen.

Ist es nur das Neue, Überraschende, was Gabriele so fesselt, so ungewöhnlich erregt? Ist es Zauberspuk, daß sein schönes, eigenartiges Bild ihr vorschwebt, ob sie es sehen mag oder nicht?

Scharf wie ein Adlerblick war sein Auge, als er prüfend See und Himmel beobachtete, sichere Fahrt zu nehmen, und wie mild und träumerisch ward es, als der Sonnenuntergang seine geheimnisvollen Bilder vor ihm spiegelte, als er ihr leis und schwärmerisch seinen Zauber mit den Worten eines Dichters malte!

Das war nicht weibisch und sentimental, das war nur wie das linde Säuseln eines Windes, welcher stark genug ist, in nächster Stunde zum Orkan anzuwachsen.

Dieses Sinnen und Träumen paßt zu dem einsamen Mann, in dessen Herzen noch die Wunder der Natur leben, welche ihn rein und unverfälscht umgibt.

Herr von Heidler konnte auch flüstern in Worten des Dichters, aber das war eine schwüle, betäubende Poesie, der Gifthauch des Modernen, welches nur die Sinne berauscht und nichts gemein hat mit jenem unsterblichen Gotteshauch, welcher wie ein heiliger Lobgesang alles Schönen und Edlen über den Wogen des Weltmeers schwebt!

Herr von Heidler borgte sich den schillernden Mantel eines Dichters, um Erfolge zu erringen, um die Augen zu blenden und in frivolem Spiel Triumphe über Mädchenherzen zu feiern; Guntram Krafft aber sprach nur Worte, die seine eigene Seele geboren hatte, Worte, welche nicht um Beifall buhlten und keine selbstsüchtigen Zwecke verfolgten.

Er sprach wie in kurzem Traum ... und der Wind verwehte den Klang seiner Stimme, und als er erwachend das Haupt hob, war der Traum vergessen.