Und er sprang auf und strich mit dem Batisttuch über die perlende Stirn, dann lachte er abermals hell, beinahe übermütig auf und fuhr fort: »Ja, nun müssen wir wohl doch diesen Sommer nach Hohen-Esp fahren, damit du all deinen gemalten Freunden mit Zopf und Allongeperücke, mit Pickelhaube und Federhut das stolze Glück erzählen kannst, daß ihnen ein Urenkel geboren werden soll, daß Gräfin Gundula der alten Bärenburg für einen jungen Bären sorgen will!« —

»Und wenn es eine Bärin ist?«

»Um so kostbareren Schatz hat die Burg zu hüten«, lächelte er galant, und dann küßte er die Lippen seiner Frau und setzte die elektrische Klingel in Bewegung, um dem Diener zu sagen, daß er heute abend zu Hause bliebe, es solle ein Bote nach dem Klub gesandt werden mit der Meldung, daß der Herr Graf heute verhindert sei zu kommen. —

Gundula aber faltete die bebenden Hände und schloß lächelnd die Augen ... kam es noch einmal zurück, das Glück, das große, märchenhafte Glück von ehemals? — —

— — — Als der Gräfin lächelndes Antlitz sich zum Schlaf in die Kissen geneigt, wanderte Friedrich Karl ruhe- und rastlos in seinem Zimmer auf und nieder.

Er hatte einen Brief per Eilboten abgesandt, einen Brief, welcher den Administrator anwies, sofort dem Abholzen der Hohen-Esper Waldungen Einhalt zu tun.

Er hatte sich in sehr mißlicher Lage befunden und nach kurzem Kampf den Befehl gegeben, die herrlichen Buchenwaldungen um die Burg herum schlagen zu lassen, — hatte doch Gundula geäußert, daß sie keinen Aufenthalt wieder in Hohen-Esp nehmen wolle. Sie schämte sich vor all den Ahnherren im Saal, daß sie ihnen noch immer keinen Stammhalter zuführen könne!

Das war nun anders geworden!

Jetzt, nach neunjähriger Ehe! Wer hätte das gedacht!

Nun war Gundulas Liebe für den alten Ahnensitz neu entflammt, und auf keinen Fall durfte sie die Verwüstungen in ihren geliebten Wäldern erblicken!