»Eine Kapelle? Hier in der Burg?«

»Wir benutzen sie für gewöhnlich nicht, um dem Pfarrer den sehr unbequemen Weg durch den Wald zu ersparen, auch müßte er zweimal an jedem Sonntag predigen, in Karstein und hier! Darum gehen wir alle zu ihm! Bei außergewöhnlichen Gelegenheiten aber kommt er hierher, und Mikes Hochzeit ist solch ein besonderer Fall.«

»O, wie praktisch ist das! Und wie angenehm für die Hochzeitsgesellschaft!«

»Wir lassen unsern lieben, kleinen Pastor mit dem Wagen holen, die Kirche wird geschmückt ...«

»O, herrlich! Wer besorgt das?« —

»Immer der, der fragt!« neckte die Bärin von Hohen-Esp. »Die Guirlande nagelt freilich einer der Knechte über die Tür, und die Tannenbäumchen stellt wohl die Mamsell mit den Mägden um den Altar herum auf, aber wenn sich sonst noch ein paar geschickte Händchen finden wollten, den Altar selber recht schön und poetisch zu schmücken, so wäre mir das sehr lieb, denn für gewöhnlich war das meine Sorge, welche ich jetzt aber gern jüngeren Kräften überlassen möchte!«

Gabrieles Wangen leuchteten in zartem Rot. »O, wie danke ich Ihnen für diese reizende Pflicht, Frau Gräfin, und wie freue ich mich darauf, die Kapelle zu sehen!«

»Wenn die Mägde morgen früh mit Fegen und Scheuern fertig sind, soll man Sie rufen, liebe Gabriele! Sie sorgen wohl selber im Garten für die Blumen! Kaiserkronen, Narzissen und Anemonen gibt es bereits, auch noch Krokus und Fürwitzchen, — nehmen Sie alles, was Sie brauchen, die Sträuße können dann später noch auf den Hochzeitstisch gebracht werden.« —

Die Damen plauderten, und die Stunden vergingen.