Nicht nur der Mann, welcher mit der Waffe in der Hand zu Felde zieht, für Kaiser und Reich zu kämpfen, erwirbt sich Verdienste um sein Vaterland, sondern auch der, welcher in stillem Fleiß seinen Grund und Boden kultiviert, für seine Arbeiter sorgt wie ein Vater, welcher gute Gesinnungen und edlen Patriotismus unter ihnen pflegt, welcher in treuer Selbstlosigkeit an der Küste Wacht hält, ein »Schirmvogt der Not« zu sein! —

Mit bebenden Händen pflückt Gabriele die blühenden Zweige im Wald.

Ein Flockenregen rieselt auf sie nieder und streut bräutlich-weiße Blättchen in ihr lockiges Haar, — in ihrem Herzen aber wächst aus kleinem Funken eine helle Flamme empor, noch flackernd und unsicher, aber dennoch stark genug, daß sie kein Aschenregen wieder ersticken kann.

Und diese Flamme brennt so vieles zu Tode, was ehemals in diesem Herzen als falsche Götzen gethront, — sie macht es so hell, wo es früher dunkel war, sie läßt es so warm, ach so warm werden, wo früher Schnee und Eis gestarrt ...

Die Arme und das hochgeraffte Kleid voll duftiger Blütenzweige geladen, kehrt Gabriele heim, und von der niedern, rund gewölbten Turmtür, welche zu der Kapelle führt, tönt das helle Gelächter und der Gesang der Mägde.

Sie sind noch fleißig bei der Arbeit, und die Mamsell tritt Gabriele entgegen und bittet: »Wollen das gnädige Fräulein nicht noch ein halbes Stündchen warten! Dann ist die Kapelle sauber wie ein Schmuckkästchen, und Baronesse haben einen so viel schöneren Eindruck davon!«

»Es ist aber schon recht spät geworden, liebe Mamsell, und die Hochzeit soll sehr präzise stattfinden! — Man heiratet hier schon zu recht früher Stunde!« —

»Ja, du liebe Zeit, gnädiges Fräulein, so verliebte Leutchen haben es immer eilig, und Mike und Jöschen vollends! Ist das ein Glück! Man braucht die beiden nur anzusehen, um zu wissen, wie gut sie einander sind! — Aber vielleicht machen das gnädige Fräulein erst Toilette? So ein bißchen was Weißes oder Rosiges gehört sich doch für den heutigen Tag!... Und die Zweige stellen wir derweil noch in Wasser! Je kürzere Zeit sie auf dem Altar liegen, desto frischer sehen sie aus!«

»Sie haben recht, Mamsell, das ist ein guter Gedanke! So will ich mir denn ein hochzeitlich Gewand anziehen und bin in einer halben Stunde wieder hier!« —