XXIV.
Da der Wind ganz plötzlich wieder bedeutend aufgefrischt hatte und merklich kühl durch die blühende Frühlingspracht brauste, hatte Gabriele ein wollenes Kleid zu ihrem Anzug gewählt, welches nun in zart weißen Crêpefalten an ihrer schlanken Gestalt herniederfloß.
Es war noch eins ihrer »Fünfuhr-Tee«-Kleider, welche sie ehemals in der Residenz getragen, schick und elegant gearbeitet und doch einfach und anspruchslos wirkend, einzig geschmückt durch ein duftiges Spitzengeriesel, welches über die Brust fiel und den Saum des Rockes wie kräuselnden Wellengischt zierte. Die weiße Perlenschnur, welche sie damals auf dem Hofball getragen, glänzte auch jetzt auf ihrem graziösen Nacken, und in dem Gürtel duftete ein kleiner Strauß weißer Narzissen.
Hastig schritt sie über den Hof nach der Kapelle, und die Mamsell trat ihr entgegen, faltete behaglich die fetten Hände über dem Magen und betrachtete das junge Mädchen mit unverhohlenem Entzücken.
»Das lasse ich mir gefallen, Baronesse!« nickte sie wohlgefällig. »Wenn jetzt ein Fremder hier einschaute, der gehört hätte: ›Auf der Burg gibt's eine Trauung‹, dann würde er Stein und Bein darauf schwören, daß das gnädige Fräulein selber die Braut sei, auf welche die Gespielinnen mit dem Kränzchen und Schleier warten! — Na, ich denke, den Tag erleben wir auch noch, und dann will ich aber den Backofen für den Hochzeitskuchen heizen, daß die Flammen oben zum Schornstein hinausschlagen!«
»Ja, nicht, Mamsell! Dann brennt der schöne Kuchen am Ende an!« lachte Gabriele, aber sie fühlte es doch, wie ihr das Blut unter dem schelmisch zwinkernden Blick der Alten in die Wangen schoß. »Der Mike steht das Heiraten besser an als mir, darum wollen wir ihr recht viele Blumen auf den Weg streuen!«
»Erst ihr, dann Ihnen, gnädiges Fräulein! Die Blütenzweige stehen in dem Wasserkübel neben dem Altar!«
Noch ein neckendes Nicken und Grüßen, und die Mamsell faßte Besen und Staubtuch und schritt über den Hof zurück, Gabriele aber trat in die Kapelle ein, welche leer und still im Schimmer der bunten, kleinen Glasfenster vor ihr lag.
Voll andächtigen Entzückens schaute Gabriele um sich.