Rechts und links die wenigen Reihen der dunkelgebräunten, hochgeschnitzten Kirchenstühle, geradeaus der erhöhte Altar in seinem verblichenen lila Samtschmuck, auf welchem die Silberstickerei längst schwarz geworden war. Hocharmige Silberleuchter, ein elfenbeingeschnitztes Kruzifix, an welchem noch die Rosenkränze der gräflichen Beter aus der katholischen Zeit hingen.
Rechts und links von dem Altar die Familienbilder frommer Hohen-Esp, hohe, steiflinige Gestalten in schwarzen Nonnengewändern und weißen Kopftüchern, mit betend zusammengelegten, wachsgelben Händen und starren, hohläugigen Gesichtern.
Direkt hinter dem Altar ein kaum noch erkenntliches Gemälde: »Die Auferstehung des Herrn.« —
An dem offenen Grab kniet anscheinend der Stifter des Bildes, ein Graf von Hohen-Esp, mit seiner Familie; die Burgfrau gleicht in der Tracht und Aussehen der Katharina von Bora, und ähnlich wie Luthers Kinder sind auch ihre acht kleinen Grafen und Gräfinnen gekleidet. — Der Vater trägt ritterliche Rüste, der älteste Sohn ein kleines Schiff in der Hand. Alle heben voll inniger Anbetung die Blicke zu dem segnenden Heiland.
Zur Rechten erhebt sich die alte Burg Hohen-Esp, wie sie damals wohl ausgeschaut, im Hintergrund wogt ein grellblaues, zackenwelliges Meer, aus welchem drei geisterhafte Gestalten emporschweben. Offenbarung Joh. 20. 13. —
Seitlich von dem Altarbild sind Gedenktafeln, zwei halb vermoderte Kirchenfahnen, Fischernetze und ein zerbrochenes Ruder aufgestellt.
Ein welker, fast zerfallener Totenkranz mit Trauerflor ist um das Ruder gewunden.
Gabriele schaudert zusammen.
Dieses Ruder war wohl das einzige, was von dem Boot eines ertrunkenen Hohen-Esp an das Land zurückgespült wurde. —