Ihr Blick irrte weiter, über die mächtigen Bärenwappen, über die steinernen Grabplatten, welche die Familiengruft schließen und steife, liegende Rittergestalten zeigen, hinauf zu der niederen, gewölbten Decke, von welcher an rostigen Ketten eine ganze Anzahl von kleinen Schiffen herabhängen.

Fromme Stiftungen der Fischer aus dem Dorfe drunten.

Grob und plump geschnitzte Segelschiffe, in Form und Bau ihr hohes Alter zeigend, kleine Boote und schwerfällige Kuffs, allerliebst und kunstvoll getakelte, kleine Dreimaster, an welchen fleißige Hände wohl ein Menschenalter gearbeitet haben.

»Modell der ›Anne Marie Karsten‹, Kapitän Jochen Ulrich Grot« — gestrandet bei Kap Horn im Jahre des Herrn 1760. — »Dein Wille geschehe.« — — steht auf schwarzer kleiner Tafel an dem einen.

Leiser Schritt erklingt auf den Steinfließen, und Gabriele schrickt aus tiefen Gedanken empor und blickt sich um.

Ein schmächtiges, altes Männchen steht hinter ihr und dreht respektvoll den schäbigen Filzhut in der Hand.

»Ach, verzeihen die gnädige Herrschaft« — flüstert er mit devotem Kratzfuß, die lichte Gestalt der jungen Dame wie eine Vision anstarrend — »ich bin der Küster aus Karstein und soll bei der Trauung das Harmonium spielen! Die Frau Gräfin schickte mich, daß ich die Lieder erst einmal durchspiele!«

»O, das ist ja schön, Herr Küster!« nickte ihm Gabriele mit herzgewinnendem Lächeln zu, »da habe ich den Genuß schöner Musik während meiner Beschäftigung!«

Der kleine Mann dienert sehr geschmeichelt und klettert die schmale Holzwendeltreppe zu der Empore hinauf, Gabriele aber tritt an den Altar, nimmt sinnend die weißen Blütenzweige und schmückt die teuern Heiligtümer.