Als das, nach Ansicht der so wenig verwöhnten Leute, glänzende Hochzeitsmahl beendet war, als die Tische beiseite gerückt wurden und der Kaffeeduft so lieblich durch den Saal zog, daß allen Frauen das Herz im Leibe lachte, da schallten die Stimmen lauter und lauter durcheinander, da wagten sich die ersten verstohlenen Jauchzer hervor, und als die Harmonikas mit schallendem Ton den »Großvatertanz« anhuben, da umfaßte Jöschen seine strahlende junge Frau und begann sich mit ihr sehr langsam und würdevoll im Kreise zu drehen.

Aller Augen schauten auf den Grafen, ob er nicht mit dem wunderschönen jungen Fräulein solchem Beispiel folgen werde, aber der stand und sprach so eifrig mit ein paar alten Fischern, daß er gar nicht an den Tanz zu denken schien.

Da wagte sich denn der Vater der Braut herzu, machte seinen Kratzfuß vor Gabriele und tanzte mit ihr, schwer und wuchtig, als gelte es, eine holländische Kuff bei konträrem Wind zu lavieren, — und als er zum Schluß die junge Dame mit freundlichem Lob auf den Arm gepatscht, stand schon ein junger Lotse bereit und sah sie treuherzig bittend an.

Gabriele nickte ihm lachend zu und tanzte weiter, und ihre schlanke weiße Gestalt tauchte wie ein Traum zwischen dem derben Schiffervolk auf, so daß der Pastor ganz begeistert zu Guntram Krafft trat und sagte: »Wissen Sie, Graf, was mir soeben bei dem Anblick des wunderholden Fräulein von Sprendlingen einfiel? Ein Gedicht von Heinrich Heine: ›Wohl unter der Linde, da tönt die Musik, da tanzen die Burschen und Mädel ... da tanzen auch zweie, die niemand kennt, sie schauen so schlank und so edel!‹ — Sagen Sie selbst, ist es nicht, als ob die weiße Wassernixe aus der Flut gestiegen sei, sich unter das lustige Fischervolk zu mischen? — Wie ein Märchen deucht mir die lilienhafte Mädchengestalt, und wen Fräulein Gabriele mit den großen, klaren, wundersam glänzenden Augen anlächelt, der lernt an die Macht der Meerfrau glauben!«

»Man sagt, die Meerfei bringt Unglück dem, der sie schaut! Hören Sie, wie der Sturm um das Dach heult? Vielleicht wählt sich die Undine bereits ihre Opfer für die kommende Nacht aus!«

»Das verhüte Gott! Fürchten Sie bös Wetter?«

»In wenig Stunden haben wir es.«

»Arme junge Frau! Das wäre eine üble Hochzeitsmusik!«

Jöschen stand mit leuchtenden Augen vor seinem Jugendgespielen.

»Wollen Sie heute gar nicht tanzen, Herr Graf!«