Guntram Krafft richtete sich jäh auf. »Ich warte nur, daß du Mike einmal freigeben sollst!«

»Dor steiht se!« lachte der junge Ehemann, wieder in sein gemütliches Plattdeutsch verfallend, und der Bär von Hohen-Esp nickte, drückte dem Glücklichen die Hand und holte sich die Braut mit den rotglühenden Wangen zum Ehrentanz.

»Nu leggt he los!« flüsterte es im Kreis, und man wartete, daß der Burgherr nach der Mike das »gnä Frölen« zum Tanze holen werde; aber er trat mit umwölkter Stirn zur Tür zurück und hatte mit Krischan Klaaden ersichtlich viel ernste Dinge zu reden.

Und trotzdem das Rollen und Branden der See immer stärker und stärker herübertönte und der Sturm immer schriller durch die Taue des vor dem Hause aufgepflanzten Flaggenmastes pfiff, ward die Stimmung immer fröhlicher und ausgelassener, und schließlich stand die Mamsell vom Schloß und tuschelte unter listigem Augenzwinkern mit Mike und Jöschen.

Die Weiber, Mädchen und Burschen drängten drum herum, es gab ein leises, jubelndes Gelächter, und dann lichtete sich plötzlich der Kreis, einer der Fischer trat vor und rief mit kraftvoller Stimme:

»Tom Brutdanz binnen! Uns' Mike sall sich sin' Nachfolgern söken!« —

Großer Jubel erhob sich, Mike ging mit sehr schalkhaftem Lächeln zu Gräfin Gundula und bot ihr eine Schere dar, mit welcher die Burgfrau die beiden rosa Bänder der Kranzschleife abschnitt.

Die alte Dame lächelte dabei sehr amüsiert, und in ihren Augen leuchtete es auf, wie ein sehr wohlgefälliges Verstehen.

»Möchtest du die Rechte treffen, Mike!« sagte sie und händigte der jungen Frau die Bänder aus. — Diese wandte sich, reichte Jöschen flink eines der Rosenbänder, und schnell wie der Gedanke stürmte das junge Paar unter die laut kreischenden und jubelnden Hochzeitsgäste.