Erstaunt hatte Gabriele dem Beginnen zugesehen, als sie ihren Arm auch schon von Mike gefaßt und mit dem Band umschlungen sah, gleicherzeit zerrten und drängten die Männer Guntram Krafft heran, an dessen Arm Jöschen das andere Band geknüpft hatte, und ehe die beiden aufs höchste betroffenen jungen Leute recht wußten, wie ihnen geschah, waren ihre Arme durch die Bänder zusammengebunden, und ein jauchzendes Geschrei erhob sich: »Tom Brutdanz! Tom Brutdanz!« —
Guntram Krafft stand momentan regungslos, nur seine Lippen bebten, und die breite Brust hob und senkte sich unter stürmischen Atemzügen, dann neigte er sich zu Gabriele herab und stieß kurz hervor: »Befehlen Sie zu tanzen, mein gnädiges Fräulein?« —
Sie blickte zu ihm auf, — ihm deuchte es, ebenso kühl und ruhig wie sonst — und die kristallenen Nixenaugen leuchteten ganz nahe den seinen, und ihr roter Mund antwortete: »Ich füge mich der Sitte, Herr Graf!«
Da umschloß sie sein Arm, er machte eine kurze Bewegung mit der freien Hand, daß man Raum gebe, und dann tanzten sie.
Wie feurige Nebel wallte es vor seinen Augen, siedend heiß brauste das Blut durch seine Adern, wie befangen von einem wilden, leidenschaftlichen Rausch flog er dahin, und die weiche, schmiegsame Gestalt ruhte wieder an seiner Brust, und ihre krausen Löckchen flimmerten vor seinem Blick.
Freiwillig wäre er nie zu ihr gekommen — nun trieb sie das Schicksal selber in seine Arme, und er hielt die bleiche Meerfrau ... und drückte sie fest — immer fester und aufgeregter an sich, so fest, als wolle er sie nie wieder freigeben.
Seine Augen brannten wie im Fieber, all die heiße, unaussprechlich innige Liebe, welche er so stolz und gewaltsam bekämpft hatte, loderte in verzehrenden Flammen in seinem Herzen auf und benahm ihm alles klare Denken und Handeln.
Er tanzte — tanzte ohne Aufhören ... und er hatte nur einen tollen, wahnwitzigen Gedanken — so hinab mit ihr durch Nacht und Sturm bis zu den schäumenden Wogen! Sein Lieb im Arm hinab in die kühle, geheimnisvolle Tiefe, in den Kristallpalast der Meerfei, wo die Perlen auf weißen Wasserlilien glänzen und rote Korallen bis an das Abendrot des Himmels emporwachsen ... da wird sie das bleiche Antlitz lächelnd zu ihm heben, wird mit ihren kühlen, meerfarbenen Augen sein Leben trinken und ihn küssen in traumhaft süßem Glück ...
Weiter und weiter tanzt er ... und um die Fenster schrillt der Sturm ... und die Brandung donnert lauter und lauter empor ...
Gabrieles Köpfchen aber sinkt plötzlich tiefer und tiefer, und ihr Körper ruht schwer in seinem Arm.