»Was bedeutet das, Frau Gräfin?«
Gundula legt den Arm um sie und schreitet nach dem kleinen Fenster, einen Blick hinauszutun.
»Gott der Herr verhüte es, daß ein Schiff in Not ist!« sagte sie mit schwerem Atemzug.
»O, welch ein Wetter plötzlich!« schaudert Gabriele, »wie schwarz die Nacht, und welch furchtbares Brausen und Donnern! Man hat es zuvor bei der Musik nicht gehört, — jetzt merkt man erst, wie schlimm es geworden ist!«
Eine alte Fischerfrau tritt herzu und faltet die runzligen Hände. »Das ist eine grobe See geworden«, sagt sie leise. »Arme Mike ... muß den Jöschen heute nacht wohl hergeben!«
»Heute nacht?« wiederholt Gabriele mit entsetzten, weitoffenen Augen, »was sollte denn Jöschen bei dieser Dunkelheit für ein Schiff draußen tun?«
Die Alte schüttelt mit wehmütigem Lächeln den Kopf: »Hinaus muß er und Hilfe bringen, falls es not tut!«
»Hinaus? in diese Finsternis?... in diesen Sturm?« Gabriele hebt wie beschwörend die Hände. »Das ist ja gar nicht möglich ... das wäre ja ein tollkühnes, nutzloses Aufopfern!«
»Es wäre seine heilige Pflicht!« unterbricht die Gräfin ernst und ruhig, »und wahrlich nicht das erstemal, daß Guntram Krafft seine wackeren Lotsen in ein Unwetter hinausführt!« —
»Der Graf?« stammelte Gabriele ..., »er selber ... er fährt auch mit hinaus?« —