Ihr ganzes Sinnen und Denken weilt bei ihm! Sie sieht nur noch ein Einziges, — Guntram Kraffts kühnes, heldenhaftes Angesicht, — sie fragt sich tausendmal immer wieder dasselbe: Ist es denn kein Traum, kein Fieberwahn gewesen? Hat er wahrlich das Unfaßliche, Herrliche vollbracht?

Wo weilt er noch?

Fühlt, empfindet er es nicht, daß ihr Herz seinen Namen jubelt in heißem, leidenschaftlichem Sehnen und Entzücken?

Wo bleibt er?

Horch ... eine Regenboe braust nieder, die Tropfen werden prasselnd gegen das Fenster gepeitscht ... nach wenig Minuten ist es wieder still, und die Mondstrahlen huschen durch das zerfetzte Gewölk. —

Das Heulen in den Lüften läßt nach, die Riegel und Wetterfahnen kreischen nicht mehr so unaufhörlich wie zuvor.

Gabriele tritt an die kleinen, bleigefaßten Scheiben und neigt das fieberheiße Gesichtchen dagegen.

Wo bleibt er? —

Wird er wieder drunten auf dem Weg vorüberschreiten, ohne einen einzigen Blick empor nach ihrem Fenster zu tun? —

Wie in zitternder, qualvoller Angst preßt sie die Hände gegen das Herz.