»Der Lenz ist da!« von Hildach.

Welch ein Jauchzen und Jubeln — welch ein Frohlocken dem Lenz entgegen! Und die Glocken läuteten so tief und wundervoll aus den Tasten empor, so ganz absonderlich, als seien es nicht Maien-, sondern Hochzeitsglocken!

Gundula erhebt sich und schreitet in das Nebengemach, — und über die Lippen des jungen Mädchens flutet es weiter wie ein alles vergessendes, glückseliges Geständnis.

»Er ist gekommen in Sturm und in Regen, er hat genommen mein Herz so verwegen!«

Und dann ward es still.

Als aber die Gräfin mit bebender Hand den Türvorhang zurückschiebt und leise in das Zimmer schaut, da sitzt Gabriele, hat das Antlitz in die Hände gedrückt und verharrt wie im Traum. — — —


Der alte Jürgen Haas hat seine blühenden Lieblinge im Gewächshaus stets mit Argusaugen gehütet; wie er aber in das wunderholde Antlitz des Fräulein von Sprendlingen schaut, welche ihn lächelnd um einen Strauß bittet, da erhellt sich das runzelige Gesicht des Getreuen, und er nickt mit beinahe zärtlichem Blick —: »So veel, als Jug dat leev is!« — und er schließt das geräumige Glashaus auf und sieht es ohne jedwedes Herzeleid, wie die kleinen weißen Hände nach seinen schönsten Blüten greifen.

Plötzlich zuckt Gabriele zusammen und starrt geradeaus in die Ecke des Treibhauses, woselbst die Oleander und großen Laurostinosbäume nebst etlichen Palmen aufgebaut sind.