»Ist das nicht ein Lorbeerbaum, Jürgen Haas?« fragt sie, und alles Blut steigt ihr in das ehedem so rosig zarte Gesichtchen.
»Ganz recht, een Lorbeer! Der is man torück bleeven von uns' Herrn Grafen sin Konfirmaschon! — Die Blätters sin ganz ampart un' nüdlich, äwerst Blaumens dreiht he nich!«
Gabriele war hastig herzugeschritten.
»Darf ich ein paar Zweige zu einem Kranz nehmen, lieber Haas? — Und haben Sie ein wenig Bast zur Hand, daß ich ihn gleich winden kann?«
Der Alte murmelte: »Allens, wat Se wollen!« kramte aus den grundlosen Tiefen seiner Jacke einen Flausch Bast, und derweil sich Gabriele auf eine leere Blumentreppe setzte und die graziösen Zweige mit bebenden Händen zusammenwand, stand er vor ihr, kraute sich den weißen Kopf und sprach in seiner kurzen, schlichten Weise von der vergangenen Sturmnacht, wo der liebe Herr Graf sich mal wieder Gottes Segen verdient habe. —
Gabriele nickte mit leuchtendem Blick, erhob sich und schüttelte die Blätter von ihrem Kleid. Zwei kleine Kränze hatte sie gewunden, die hing sie an ihren Arm, faßte den großen Strauß der blühenden Blumen zusammen und sagte dem beglückten Alten freundliche und herzliche Dankesworte, — dann schritt sie in tiefes Sinnen verloren durch die warme, lenzesduftige Luft nach der Burg zurück.
Über ihr jubelten die Vögel im blühenden Gezweig, und in ihrem Herzen klangen die Frühlingsglocken noch immer wie ein holdes, traumhaftes Echo!
In der Speisehalle ordnete sie still und geschäftig die Blumen in Schalen und Vasen auf der Tafel, dann stand sie einen Augenblick und schlang zögernd die kleinen Hände ineinander.
Alles war still im Hause.
Die Gräfin hatte sich in ihr Ankleidezimmer zurückgezogen, Anton hantierte an den Büfetts, und die Herren weilten noch am Strande.