»Nein, du Wonnige! Im Gegenteil, keine größere Tugend vermag es zu geben, als diesen Stolz, welcher sich nur einem Helden zum Preise setzt!«
»Und doch verargtest du ihn mir?« —
»O, wahrlich nicht! — Meine ganze Seele — all mein Sein und Wesen gehörten dir, Gabriele, und habe ich dich je geliebt, so war es in diesen bittersüßen Tagen, wo ich gegen diese Liebe kämpfen mußte, wie gegen eine Unmöglichkeit!«
»Du wolltest mir nicht gut sein?« —
»Ich durfte es nicht!«
»O, wunderlicher Mann — und wer verbot es dir?« —
Er nahm langsam eine schmale rotjuchtene Brieftasche von der Brust, öffnete sie und entnahm ihr einen kleinen, zerknitterten Zettel, dessen verwischte Bleistiftlinien kaum noch zu entziffern waren.
»Du selber, mein grausamer Schatz!« sagte er leise, und es war, als durchriesele ihn noch einmal wie ein banger Nachhall all das Weh, welches ihn so oft beim Anblick dieses kleinen Papierstreifens gequält. Federleicht war er und hatte doch schwer wie eine unerträgliche Zentnerlast auf seiner Brust geruht.
Mit staunenden Augen neigte sich Gabriele und blickte auf seine Finger, welche den Zettel entfalteten.
»Das sieht ja aus wie meine Schrift!« sagte sie überrascht.