Im allerkleinsten Kreise, — nur von den Eltern, Tante Agathe und dem jungen Pastor aus dem nächsten Dorfe, bei welchem Hohen-Esp eingepfarrt ist, wird das Kind über die heilige Taufe gehalten.

Wie schön sieht Gundula aus!

Ihre Figur ist voll, kräftig, schier königlich geworden.

Sie schreitet so hoch und stolz, so gebietend stattlich einher, wie noch nie zuvor, und doch liegt eine Weichheit auf ihrem Angesicht, ein Ausdruck in ihren Augen, welcher beweist, daß Gräfin Hohen-Esp in all ihrem strahlenden Glück ein demütiges und frommes Weib geblieben. — — —

»Guntram Krafft« hat man den Knaben getauft, und der Prediger hat über ihm die Hände gefaltet und gebetet, daß dieses Kind dereinst in Wahrheit ein Schirmherr und Schutzvogt für alle sein möge, welche unter seine starke Hand gestellt sind, daß er, ebenfalls furchtlos und treu wie seine Ahnherren, die »Kraft«, welche ihm den Namen gibt, in den Dienst seines Gottes und seiner Nächsten, für Fürst und Vaterland stellen möge, daß auch er über den Inhalt seines Lebensbuches die Devise schreiben möchte, unter welcher seine Väter Taten getan:

»Christe Kyrie —
Zu Lande und See —
Ein Schirmherr der Not —
Das walt' Herregott!«

Nie hatte Gundula geglaubt, daß ihr so sehr lebensfroher, oberflächlicher Gatte von einer heiligen Handlung derart ergriffen sein könne!

Auch der Prediger schaute voll warmherziger Teilnahme auf den Grafen, welcher kaum imstande war, seine Erregung zu meistern. Und wie bleich, wie leidend, wie nervös sah er aus! Kaum, daß er den Knaben halten konnte, so bebten ihm die Hände.

»Du bist krank, Friedrich Karl,« flüsterte ihm Gundula besorgt zu, als sie sich an seine Brust lehnte: »jetzt sehe ich erst, wie schlecht du aussiehst! Fühlst du Schmerzen — hustest du etwa?«

Er zwang sich zu einem Lachen und scherzte. »Die Geburt eines Sohnes ist ja für den Vater jedesmal sehr angreifend, doch geht es mir, den Umständen nach, immer noch sehr gut! Eine kleine Luftveränderung, — die wird alles wieder gutmachen!«