»O, so reise bald! Du siehst, dem Kinde und mir geht es so ausgezeichnet, daß du nun um unsertwillen nicht mehr zu zögern brauchst!«

»Ich gedachte übermorgen nach San Remo zu fahren! Möchtest du mich nicht begleiten? Fühlst du dich wohl genug? — Unserm Jungen macht Tante Agathe derweil die Kur!«

Sie schüttelte das Haupt und errötete. »Undenkbar! Du vergißt, daß ich selber die Amme unseres Lieblings bin! Auch bist du ungenierter, wenn du auf niemand Rücksicht nehmen mußt! Also übermorgen! — und wie lange bleibst du?«

»Das steht bei Gott! Halt mir den Daumen, mein braves Weib, daß ich bald frisch genug sein werde, um heimkehren zu können! Ach, Gundula, — du glaubst nicht, wie gern ich wieder bei euch sein möchte!«

Er sah sie nicht an bei diesen Worten, er senkte das Haupt schwer auf die Schulter.


Er reiste, — und Gundula stand droben auf dem Söller des Turmes und blickte dem entschwindenden Wagen nach.

Sein weißes Taschentuch flatterte noch lange zurück, so lange, bis die mächtigen Waldungen den Weg deckten.

»Zum Abschiednehmen just das rechte Wetter!« zog es voll wehmütiger Sehnsucht durch den Sinn der Gräfin, als sie hinaus in die herbstlich stille Gegend blickte, über welcher ein kühler Seewind brauste und die dunklen Schatten eilenden Gewölks strichen. Regentropfen fielen kalt und schwer hernieder, und Gundula erschauerte unter ihrem kühlen Kuß.

Mit weißen Schaumkämmen grüßten die fernen Meereswogen herüber, und welke Blätter wirbelten von den drei Linden, welche den Burghof beschatteten, zu ihr empor.