Wie arm — ach, wie bettelarm an allem hat die Welt sie gemacht, — sie, die einst die reichste und glückseligste der Frauen gewesen!

Und doch ... wie wenig nahm sie ihr noch im Gegensatz zu jenem Mann, welcher mit durchschossener Stirn seinem verfehlten Dasein selber ein Ziel gesetzt!

Sie nahm ihm nicht nur Geld und Gut, sondern auch die stolze, ehrenhafte Festigkeit des Mannes, seinen Willen — seinen Halt — ja selbst den letzten Rest eines klaren Überlegens und den Mut, den Kampf mit dem Leben aufzunehmen!

Die Welt, die verführerische Welt mit ihren Spielsälen und Hasardkarten hat aus dem Grafen von Hohen-Esp einen erbärmlichen Schwächling gemacht, der den Ruin über seine Familie heraufbeschworen und dann feige zu dem Revolver greift, um den Folgen seiner Schuld zu entgehen!

Das tat Friedrich Karl — der Mann, zu dem sie einst emporgesehen hatte, wie zu einem Gott! —

Das tat er ihr, seinem hilf- und schutzlosen Weibe an, welchem er einst geschworen: »Ich will dein Halt und deine Stütze sein, ich will dich glücklich machen!« —

O, wie leicht ist die Waffe gehoben, jene eine, flüchtige Sekunde überwunden, welche durch einen Druck des Fingers allem Elend ein Ziel setzt — und wie schwer, wie bitter schwer ist es, durch lange, mühselige Jahre die Last der Armut zu schleppen, sich und ein Kind ernähren zu müssen!

Hat Friedrich Karl denn gar nicht daran gedacht, was aus seinem Weib und Kind werden soll, wenn er sie verläßt wie ein Feigling? Und wenn er sein Geld und Gut vertan — blieben ihm nicht noch seine kraftvollen Hände, durch deren Arbeit — und sei es der geringsten eine — er die Seinen ernähren konnte?

O nein! was hätte die Welt dazu gesagt, wenn ein Graf von Hohen-Esp gearbeitet hätte!

Hat nicht die Welt selber ihm den falschen Begriff von Ehre eingeimpft, einer Ehre, welche befleckt wird durch Schwielen in der Hand? —