Der Zug herber Erbitterung tritt noch schärfer um ihre Lippen, und auf ihrer Stirn und um die finstern Augen liegt eine Entschlossenheit, welche voll eisernen Willens ein Gelübde ablegt und der verhaßten Welt eine grimme Fehde ansagt auf Leben und Sterben. —
Die Bärin von Hohen-Esp.
Die Jungfer hat die Trauerkleider zurechtgelegt, und Gundula hat sie schweigend angezogen.
Sie spricht mit niemand ein überflüssiges Wort, nur mit dem Administrator sitzt sie während des langen Abends und ordnet voll geschäftsmäßiger Ruhe alles, was in solch schwerer Zeit zu besorgen und zu bedenken ist. »Wenn der Graf beerdigt ist, wollen wir unsere Verhältnisse arrangieren, Herr Werner! Ich bitte Sie, mir als Freund und Berater beizustehen, ich habe niemand auf der Welt wie Sie!« —
»Gott helfe mir, daß ich Sie gut berate, Frau Gräfin!« — antwortete der alte Mann mit festem Händedruck. — »Ach, hätte doch der Herr Graf auf meinen Rat gehört, wir hätten diesen furchtbaren Tag nie erlebt!« —
— Tante Agathe sitzt neben der Herrin von Hohen-Esp und hält ihre Hand zwischen den ihren: »Die Güter können nicht gehalten werden, — du mußt alles verkaufen?«
Gundula beißt die Zähne zusammen. »Von Walsleben und Gottern trenne ich mich nicht schwer, — aber Hohen-Esp ist ein Stück von meinem Herzen, das kann ich nicht opfern, ich werde und muß es halten! Ich habe mir gelobt, meine volle Kraft einzusetzen, um den ältesten Familienbesitz für meinen Sohn zu retten!«
»Das ist selbstverständlich. Du zahlst die Schulden mit deinem Vermögen ab und versuchst das Gut neu emporzuwirtschaften!«
»Meinem Vermögen?«
»Ja, dein Erbe von Tante Margarete. — Weißt du nun, warum du mir einst geloben mußtest, dasselbe vor Friedrich Karl nie zu erwähnen?«