Gundula schrickt beinahe empor: »Jenes Erbe? Du hast den Nießbrauch davon!«

Agathe lächelt seltsam. »Ich habe es für dich verwaltet und erhalten, — sonst nichts!«

Rote Flecken treten auf die blassen Wangen Gundulas. »Tante Agathe,« — sagt sie mit zitternder Stimme, »wolltest du mir wahrlich dies Kapital vorstrecken, damit ich keine Hilfe bei dem Herzog oder einem Geldvermittler zu suchen brauche?«

»Dazu — lediglich dazu hielt ich das Geld für dich bereit!«

Ein tiefer Atemzug hebt Gundulas Brust. »Ich habe nie an dieses Geld mehr gedacht, oder gar damit gerechnet, weil ich es bis zu deinem Tode als dein Eigentum betrachtete, — aber jetzt — o, wenn du es mir nicht geben, sondern nur leihen wolltest, Tante Agathe ... alles wäre gut! Ich könnte die Saat säen — und Gott der Herr wird mir eine Ernte bescheren!« —

— — — Schloß Walsleben und die Herrschaft Gottern wurden verkauft, die Burg Hohen-Esp mit dem kleinen Landbesitz und den Waldungen blieb nach Abtrag aller Schulden im Besitz der Gräfin. Herr Werner hatte voll treuen Eifers die Interessen der verwitweten Frau gewahrt, die zerrütteten Verhältnisse geordnet und mit Hilfe des von Tante Agathe so sicher gehüteten Kapitals dem jungen Bären von Hohen-Esp eine bescheidene und weltferne Heimat erhalten. Er sorgte noch für einen sehr zuverlässigen und intelligenten Inspektor, welcher unter dem Oberbefehl der Gräfin das Gut bewirtschaften sollte, dieweil er selber voll unermüdlichen Fleißes tätig war, Gundula in finanziellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten zu ihrem eigenen Sachwalter auszubilden.

Die Gräfin faßte mit scharfem Verstand schnell auf, zeigte eine große Ausdauer und einen schier männlichen Schaffensdrang, und es währte nicht lange, so leiteten ihre energischen Hände die Verwaltung des Besitzes, so war sie selber voll eiserner Ausdauer bei Tag und Nacht, Wind und Wetter zur Stelle, um durch rastlosen Eifer und voll sauern Fleißes in Jahren wiedereinzubringen, was Friedrich Karl während ein paar flüchtiger Nachtstunden vergeudet.

V.