Hatte seinerzeit der jähe Tod des Grafen von Hohen-Esp in der Residenz viel Staub aufgewirbelt, so nahm seine Witwe das lebhafte Interesse der Gesellschaft beinahe noch mehr in Anspruch wie die Katastrophe selbst, welche so viele schon lange vorher in ihrer ganzen Tragik prophezeit hatten. Was wird aus der unglücklichen Frau? Was wird aus dem armen Kinde?

Die Antwort auf diese Frage war wiederum eine Überraschung.

Mit Hilfe der Tante Agathe von Wanfried hatte die Gräfin ihre zerrütteten Vermögensverhältnisse arrangiert und dabei eine Energie und Umsicht bewiesen, welche die Welt in Staunen setzte.

Obwohl es ihr möglich gewesen wäre, das so bedeutend bequemer gelegene und hochherrschaftliche Walsleben für ihren Sohn zu erhalten, hatte sie seltsamerweise darauf verzichtet und statt dessen die alte Bärenhöhle Hohen-Esp aus dem Konkurs gerettet!

Wunderlich! Will sie denn immer in dieser Weltabgeschiedenheit, in dem unheimlichen, halbverfallenen Burggemäuer hausen, welches so fern von jedem Verkehr, so weit ab von der Residenz und all den guten Freunden liegt?

Die schöne Gräfin Gundula war stets sehr beliebt und gefeiert gewesen, es öffnete sich ihr sicher jeder Salon, selbst dann, wenn die beklagenswerte Witwe nichts erwidern kann, — sie wird auch fraglos Gelegenheit finden, sich noch einmal gut zu verheiraten, denn unter ihren Verehrern befinden sich »Toggenburge«, welche jahrelang der schönen Frau die Treue bewahrt haben.

Was fesselt die Gräfin an jene wunderliche Bärenburg, von welcher schier unheimliche Beschreibungen in dem ganzen Lande umlaufen?

Der Herzog war der einzige, welcher die Wahl der Gräfin durchaus billigte.

»Hohen-Esp ist der älteste Besitz der Familie, von dem sie den Namen trägt und der einst für den Sohn das größte Interesse haben muß!« — sagte er, »und daß die Gräfin dieses kleine Gut dem größeren und bei weitem kostspieliger zu erhaltenden vorgezogen, zeugt von ihrer Umsicht und ihrem praktischen Sinn. Es wird ihr in ihrer bedrängten Lage sehr viel leichter fallen, den kleinen Grundbesitz heraufzuwirtschaften, als wie sich auf dem eleganten Walsleben zu halten! Gebe Gott, daß sie nach dieser tränenreichen Aussaat eine desto lohnendere Ernte hält! — Ich hoffe, daß die ›Bärin von Hohen-Esp‹ sich nicht dauernd in ihrer Höhle vergräbt, sondern bald einmal in die Residenz zurückkehrt, damit wir Gelegenheit haben, ihr unsere vollsten Sympathien zu beweisen!«