Winters über sitze er neben dem Spinnrad der Mutter und schnitze Holzlöffel und Quirle für die Küche.
Müßiggang sei ihm ebenso unbekannt, wie allen andern in der Burg Hohen-Esp. —
Seit seinem sechsten Jahre müsse er auch schon fleißig bei dem Herrn Pastor lernen, auch auf das Pferd sei er schon gesetzt worden, aber dafür zeige er weniger Passion wie für das Segeln auf dem Meere.
Das komme wohl daher, weil er an Sonn- und Festtagen mit den Knaben aus dem nahen Fischerdorf spielen dürfe, sie hätten natürlich schon einen halben Seemann aus ihm gemacht. Die Knaben wagten sich in ihrem Boot oft tollkühn auf die See hinaus, und als der Pastor der Gräfin einmal vorgestellt habe, wie gefährlich das doch für den einzigen Erben des alten Geschlechts sei, da habe die »Bärin« nur in ihrer herben, ernsten Weise nach einem Wappenschild emporgewiesen, auf welchem der Wahlspruch der Hohen-Esp's gestanden:
»Christe Kyrie —
Zu Land und zu See —
Ein Schirmherr der Not!«
»Zu Land und See, Herr Pastor! Ein Mann, welcher sich vor dem Wasser fürchtet, kann keine Taten auf demselben tun! — Zwar gibt es jetzt keine Piraten mehr, vor welchen die Hohen-Esps ihre friedliche Küste schützen müßten, aber möglicherweise fordert man doch einst auch ihre Dienste zur See. — Machen Sie mir meinen Sohn nicht furchtsam! Je kühner und heldenhafter ich ihn einst in das Leben stellen kann, desto ehrenvoller für ihn. Wir stehen alle in Gottes Hand, Herr Pastor, — Sie wissen es doch am besten, daß die Haare auf unserm Haupt gezählt sind!« —
»Eine eigenartige, wackere Frau!« nickte der Herzog voll warmer Anerkennung, als man ihm erzählte, wie die Erziehung des jungen Grafen gehandhabt werde, und nach kurzer Pause fragte er unvermittelt: »Wer ist eigentlich zum Vormund des Kindes gesetzt?«
»Laut Testament die Mutter; sie ist ganz allein mit allen Rechten und Pflichten betraut.«
»So wäre es doppelt notwendig, der Vereinsamten ein Zeichen unseres Interesses und guten Willens zu geben! Ich werde ihr für den Sohn eine Freistelle auf unserer Ritterakademie anbieten lassen!«