»Wie liebenswürdig von dem Herzog! Wie gnädig und gut gemeint!« — sagte Tante Agathe, welche neben die Lesende getreten war und mit in das Schreiben blickte.
Gundula nickte mit herb geschlossenen Lippen.
»Ja, er meint es gut, der Herzog, — er weiß es ja nicht, was er mir mit dieser Gnade antut!«
»Nein, das ahnt er nicht!« — seufzte Agathe leise, »und was antwortest du?« —
Beide Frauen waren hinausgetreten auf den Flur und stiegen die steinerne Wendeltreppe zu dem Zimmer der Gräfin empor.
»Solange meine Augen offen stehen und meine Hände Kraft haben, das Schicksal meines Kindes zu lenken, wird er nie die Welt kennenlernen!«
»Gundula! Hältst du es für möglich, einen jungen Mann im neunzehnten Jahrhundert noch zu erziehen wie einen Parsifal?«
Sie lächelte wunderlich vor sich hin, — der schwarze Schleier lag wie eine dunkle Wolke um ihr Haupt.
»Das halte ich nicht nur für möglich, sondern das will ich beweisen!« —