Heiße Röte stieg in das Gesichtchen der Genannten, die Nixenaugen schillerten wie die See, ehe sie in hohen, verderbenden Wogen aufbraust.
»Das würde ich tun, sagst du?« — stieß sie atemlos hervor, »das ist eine perfide Behauptung, Thekla, und ich wünsche nun wahrlich nichts sehnlicher, als daß der Hohen-Esper mir einen Antrag machen würde!« —
»Haha! Hört ihr's? Jetzt spricht sie ehrlich!«
Gabriele warf zornig ihre feine Seidenstickerei auf den Tisch und sprang auf.
»Laß mich ausreden, ehe du mich beschimpfst!« trotzte sie in der vollen Heftigkeit, welche ihrem Charakter eigen war, »ich wünsche mir einen Heiratsantrag von ihm, lediglich um dir zu beweisen, daß ich keine leeren Phrasen geredet, sondern Wort halten würde, so wahr ich Gabriele von Sprendlingen bin! Und wäre er schön wie ein Gott und reich wie Krösus, wenn er nichts für Fürst und Vaterland leistet, wenn er kein Held ist und Taten tut, die mein Kaiser brav und herrlich nennt und mit dem Kreuz der Ehre lohnt, — ich würde nie sein Weib! Nie! — Das schwöre ich bei allem, was mir heilig ist!« —
»Aber Herzchen, wie kannst du so leichtsinnig sein!« — entsetzte sich Trautchen; Thekla aber setzte ihr Schnitzmesser zu einem tiefen Kerbschnitt an und sagte mit einem wunderlich scharfen Lächeln —: »Gut, wir haben deinen Schwur gehört und werden nicht verfehlen, dich zu guter Zeit daran zu erinnern! Aber du kennst den Ausspruch des Dichters: ›Ach, Worte sind ein leerer Schall —‹ denn sie verfliegen und werden so schnell vergessen, wie man sie hört! Mündlich ist schon mancher Schwur getan und leichtfertig gebrochen worden! Auch du gibst deine stolze Versicherung nur mit den Lippen, aber schriftlich? Haha! Schriftlich verzichtest du nicht auf den Grafen von Hohen-Esp!«
Gabriele griff mit nervös bebender Hand nach den Zetteln und Bleistiften, welche, für ein Schreibspiel zurechtgelegt, bereits auf einer Marmorschale seitwärts des Tisches standen.
»Und warum nicht?« spottete sie mit gefurchter Stirn: »Wenn dir ein geschriebenes Wort sicherer ist wie ein gesprochenes, sollst du es gern haben!« —
Und Gabriele setzte den Bleistift an und schrieb ohne Überlegen mit festen, schwungvollen Schriftzügen auf einen der Zettel nieder:
»Da meine Freundin Thekla meine Ansicht über den Grafen von Hohen-Esp schriftlich wünscht, so erkläre ich hiermit noch einmal, daß ich denselben nie und nimmermehr heiraten werde, weil er kein Held ist und mir nicht imponiert!«