Er lachte, daß die weißen Zähne unter dem blonden Schnurrbart blitzten, schlang zärtlich den Arm um die düstere Frauengestalt und küßte Frau Gundula herzhaft auf den Mund.
»Das steht bereit, du Wasserratte!« lachte diese, mit einem Blick unendlichen Wohlgefallens die blühende Schönheit ihres Sohnes umfassend, »willst du dich erst umkleiden oder erst durch einen Imbiß erwärmen? Du weißt, ich liebe es nicht allzusehr, dich in dieser Ausrüstung am Tisch zu sehen!«
»Weiß ich, Mamachen, — und werde nie dein Eßzimmer durch Teerjacke und Ölzeug entweihen. — Auch ist's mir, ehrlich gestanden, selber zu unbequem! Aber bitte, befiehl einstweilen alle Bierkannen und Schinkenbrote auf Deck, damit ich in zehn Minuten an ihnen zum Massenmörder werden kann!«
»Vae victis!« —
»Ja, wehe ihnen! Heut wird kein Pardon gegeben!« — Und Guntram Krafft schritt über die Schwelle zurück, daß die morschen Parkettplatten krachten.
Draußen hörte die Gräfin ihn fröhlich pfeifen: »Auf, Matrosen, die Anker gelichtet!« — Dann hub ein gewaltig Poltern und Rumoren in der Turmstube des jungen Grafen an, und in sehr kurzer Zeit saßen Mutter und Sohn beim lodernden Kaminbrand in der Speisehalle zusammen, wo Guntram Krafft das Frühstück serviert war.
Der Hausanzug des jungen Hohen-Esp war weder sehr elegant noch sehr modern, er war solide und zeugte von der Sparsamkeit, welche in allen Dingen noch im Hause herrschte, obwohl die Gräfin mit einem tiefen Ausatmen der Befriedigung noch vor wenig Tagen zu dem Inspektor gesagt hatte: »Noch ein paar solcher Rübsenernten, und wir können, so Gott will, schon das zweite Vorwerk von Walsleben zurückkaufen!«
Aber trotz seiner nicht allzu vorteilhaften Kleidung sah der junge Graf ganz vortrefflich aus, just so, wie es zu seiner bärenhaften und urwüchsigen Schönheit paßte.
Man konnte es sich bei seinem Anblick kaum denken, daß diese Reckengestalt in Frack und Lackschuhe hineinpassen würde, daß sie sich zum Träger all der weichlichen, geschniegelten Eleganz der modernen Salonhelden machen könne!