Ein Zylinderhut auf diesem wildlockigen Haupt mußte ganz wunderlich aussehen, und wie die wetterharten Hände, wohl schön und edel in der Form, aber ohne Schonung verarbeitet wie bei dem geringsten Fischer, sich mir Glacéhandschuhen befreunden würden, schien selbst Frau Gundula in diesem Augenblick eine berechtigte Frage.
Sie musterte das Äußere des jungen Bären interessierter wie je zuvor, und dieweil er frisch und fröhlich dem kräftigen Mahle zusprach und dabei voll lebhaften Eifers über seine stürmische Seefahrt sprach, flogen ihre Gedanken weit voraus ... und sie sah diesen unerschrockenen Seehelden auf dem höfischen Parkett stehen, umrauscht von schmeichelnden Musikklängen, umweht von süßem Amberduft, umglänzt von ungezählten Lichtflammen und umringt von koketten, lachenden, anmutig reizenden Mädchengestalten.
»Unser Rettungsboot taugt nichts, Mutting,« fuhr Guntram Krafft währenddessen etwas unwillig fort, »es ist ganz unzweckmäßig gebaut, — ein Kahn wie alle andern auch, der bei gutem Wetter zum Heringfangen noch zu brauchen ist, aber wenn's mal kräftig weht, doch ein ganz unzuverlässiges Ding ist! Grad' bei der drei- und vierfachen starken Brandung am Hamelwaat! — Über die äußerste Brandungslinie, wo sich die Wellen auf drei bis vier Faden brechen, kriegen wir's kaum noch hinaus. Hab' heute versucht, den Bug dem Lande zuzuwenden — hab' den Lenzsack nachbugsiert — damit ich das Boot zurück und zu gleicher Zeit recht vor der See halten konnte — wollte so das Beidrehen hindern — aber viel nützen tat's auch nicht! Ja, so ein gutes Peakeboot, welches sich aufrichtet wie ein Holundermännchen, mit einem schweren, eisernen Kiel, und vorn und hinten hohe, gewölbte Luftkästen ... ja, das könnten wir gebrauchen, damit ließe sich etwas ausrichten ...«
»Sicherlich!« — nickte Gundula zerstreut und überlegte, daß sich der junge Graf am besten in der Residenz neu ausrüsten müsse, — Anton verstand sich vorzüglich darauf ... der muß ihn einkleiden ...
»Ich finde, es ist eine Schande, daß gerade hier für unsere Küstenstrecke so gar nichts geschieht! Die nächste Rettungsstation hat gar keinen Wert für uns, denn wir können sie einfach nicht erreichen, wenn plötzlich Not an den Mann geht! — Es muß etwas hier geschehen, das Hamelwaat ist auch solch ein Brunnen, welcher erst zugeschüttet wird, wenn das Kind ertrunken ist! — Mir geht es schon so lange im Kopf herum, mich an eine zuständige Behörde zu wenden, daß sie uns eine regelrechte Rettungsstation bauen läßt — was meinst du, Mutter, was ich dazu tun könnte?«
Die Gräfin blickte auf, legte entschlossen die Hand auf den Tisch und sagte: »Du wirst in der Residenz am besten Gelegenheit haben, maßgebende Persönlichkeiten für deine Pläne und Absichten zu interessieren!«
»In der Residenz?!«
»Ich möchte dir heute eine Eröffnung machen, Guntram Krafft, dir einen Wunsch mitteilen, welchen du mir hoffentlich erfüllst?«
Er blickte erstaunt auf, nahm ihre Hand und küßte sie als stumme Antwort.
»Es ist Zeit, daß du, als jetzt großjähriger Mann, deinem Herzog vorgestellt wirst, daß du hochdemselben, als angestammter Vasall und Sproß eines seiner ältesten Grafengeschlechter, deine stete Treue und Dienstwilligkeit versicherst. Ich habe mich diesbezüglich mit einer Anfrage an das Hofmarschallamt gewandt und eine sehr huldvolle und gnädige Antwort Seiner Hoheit erhalten.