»Fürerst genug, indem er Soldat ist, sich durch seine Bravour auszeichnet und andern ein gutes Beispiel gibt! Daß er eine vorzügliche Karriere macht, es zu den höchsten Ehren bringt, ist selbstredend. Sollte aber ein Krieg kommen, hat er jederzeit Gelegenheit, seinem Kaiser mit Leib und Seele, Gut und Blut zu dienen!«
Und gleichsam, als ahne der junge Offizier die ehrenvolle Konduite, welche ihm der schöne Mund droben ausstellte, wandte Herr von Heidler, der elegante Dragoner, das Haupt und blickte mit einem mehr kühnen und siegesgewissen, wie verbindlichen Lächeln zu der Loge empor.
Gabriele errötete ein klein wenig und nickte ihm wie einem guten Bekannten zu, war es doch stadtbekannt, daß Herr von Heidler ihr eifriger Courmacher war, welcher schon während der beiden letzten Winter die Schleppe der jungen Dame durch den Goldstaub der Saison getragen. Der junge Dragoner war eine auffallende Erscheinung, nicht hübsch und — wie viele behaupteten — auch nicht sehr sympathisch, aber auf jeden Fall recht interessant.
Schick und vornehm, sportlich trainiert bis zur Magerkeit, mit einem sehr schmalen, scharf geschnittenen Gesicht, glatt rasiert bis auf den englischen kleinen Bart an den Wangen, dazu zwei sehr tiefliegende, scharfe, lebhaft blitzende Augen und einen Mund, dessen geneigte Winkel ihm etwas Arrogantes gaben — das war Herr von Heidler.
Das krause, aschblonde Haar war nicht kurz geschnitten, sondern lockte sich in zwei kleinen Tollen über der Stirn, und das Monokel schaukelte sich meist nur auf der Brust, ohne benutzt zu werden.
Die Damen schwärmten für den außerordentlich amüsanten Spötter, welcher rücksichtslos die Cour machte, seinen scharfen Witz auf Kosten anderer spielen ließ und durch Wort und Blick zu faszinieren verstand, — die kleinen Skandalgeschichten, welche man sich über seinen Leichtsinn und sein Glück bei den Frauen erzählte, verliehen ihm seltsamerweise in den Augen der Großstädterinnen noch einen Reiz mehr!
Die Herren urteilten weniger günstig über ihn, nannten ihn einen frivolen und kaltherzigen Egoisten und bewunderten höchstens den außerordentlichen Schneid und die beinahe brutale Kühnheit, mit welcher er sich auf der Rennbahn und dem Exerzierplatz einen Namen gemacht hatte.
Die Unterhaltung der beiden Damen in der Loge war sehr leise geführt worden, — sie waren ungeniert, da sie sich allein befanden, auch übertönte die Musik das Flüstern hinter dem Fächer.
Mutter und Tochter kannten den fliegenden Holländer zur Genüge, betrachteten die Oper nur als angenehme Zerstreuung und wären heute abend überhaupt nicht hier erschienen, wenn nicht die Hofdame der Prinzeß Amalie am Nachmittag vorgefahren wäre, mit der Nachricht, daß Hoheit Fräulein Gabriele heute abend gern in der Teepause im Opernhause sprechen möchte, um direkte Nachrichten von dem X'er Hofe zu erhalten. Man wisse, daß Fräulein von Sprendlingen bei der Hofmarschallin daselbst zu Gast gewesen und gestern zurückgekehrt sei.
Der erste Akt war vorüber, langsam sank der Vorhang nieder, und die Klänge der Musik verhallten.