„Hm! Heute! Nein heute geht es nicht,“ sagte Iwan Antonowitsch. „Man muß noch Erkundigungen einziehen, ob sie nicht verpfändet sind.“

„Übrigens ist Iwan Grigorowitsch, der Präsident, ein guter Freund von mir; da ließe sich ja etwas zur Beschleunigung der Sache tun.“

„Es handelt sich hier doch nicht bloß um Iwan Grigorowitsch; es sind doch noch andere da,“ sagte Iwan Antonowitsch mürrisch.

Tschitschikow merkte jetzt, wo der Hase im Pfeffer lag und sagte: „Die anderen sollen schon nicht zu kurz kommen. Ich habe selbst gedient und kenne den Instanzenweg.“

„Gehen Sie also zu Iwan Grigorowitsch,“ sagte Iwan Antonowitsch etwas besänftigt. „Er mag an passender Stelle seine Order geben. An uns soll es nicht liegen.“

Tschitschikow nahm einen Schein aus der Tasche und legte ihn vor Iwan Antonowitsch hin. Dieser nahm gar keine Notiz von ihm und deckte ihn sofort mit einem Buche zu. Tschitschikow wollte ihn darauf aufmerksam machen, aber Iwan Antonowitsch gab ihm durch eine Kopfbewegung zu verstehen, daß er das nicht wünsche!

„Der da wird Euch in die Kanzlei führen!“ sagte Iwan Antonowitsch, indem er mit dem Kopfe nickte. Und einer von den anwesenden Hohenpriestern, welcher Themis mit solchem Eifer opferte, daß seine beiden Ärmel an den Ellenbogen geplatzt waren und das Futter aus den Löchern hervorquoll, wofür er seinerzeit den Rang eines Kollegienregistrators erhalten hatte, übernahm die Führerrolle bei unseren Freunden, wie einst Vergil bei Dante, und geleitete sie in die Kanzlei, in der lauter breite Lehnstühle standen, auf deren einem vor einem Spiegeltisch und zwei dicken Büchern der Präsident gleich dem Sonnengott thronte. Hier fühlte sich der neue Vergil von einer solchen Ehrfurcht beseelt, daß er sich durchaus nicht entschließen konnte, seinen Fuß über die Schwelle zu setzen. Er kehrte daher um, indem er den Freunden seinen Rücken zuwandte, welcher abgerieben war wie eine Bastmatte, und an dem eine Hühnerfeder klebte. Als sie ins Zimmer traten, bemerkten sie, daß der Präsident nicht allein war, neben ihm saß Sabakewitsch, der ganz von dem Spiegel verdeckt wurde. Die Ankunft der Gäste entlockte den Anwesenden ein paar freudige Rufe, und der Präsidentensessel wurde geräuschvoll beiseite geschoben. Auch Sabakewitsch erhob sich und stand nun mit seinen langen Ärmeln von allen Seiten sichtbar da. Der Präsident umarmte Tschitschikow, und das Amtszimmer hallte wieder von den Küssen der Freunde. Man erkundigte sich gegenseitig nach dem Wohlergehen, und hierbei stellte sich heraus, daß beide an Hexenschuß litten, was man flugs der sitzenden Lebensweise aufs Konto setzte. Wie es schien war der Präsident von Sabakewitsch schon über das Kaufgeschäft unterrichtet; denn er gratulierte Tschitschikow aufs herzlichste, was unsern Helden zunächst ein wenig in Verlegenheit setzte, besonders jetzt, wo Sabakewitsch und Manilow, die beiden Verkäufer, mit denen er doch im geheimen, unter vier Augen verhandelt hatte, sich nun Aug in Auge gegenüberstanden. Er bedankte sich indessen beim Präsidenten und sagte dann, indem er sich zu Sabakewitsch wandte:

„Und wie befinden Sie sich?“

„Gott sei Dank, ich kann nicht klagen,“ sagte Sabakewitsch, und in der Tat, er hatte wirklich keinen Grund zur Klage, eher hätte sich ein Stück Eisen erkälten und den Husten bekommen können, als dieser wunderbar gebaute Gutsbesitzer.

„Ja, Sie durften sich immer einer guten Gesundheit rühmen,“ sagte der Präsident. „Ihr seliger Herr Vater war auch so stark wie Sie.“