„Herzchen, geben Sie ihn mir, bei allem, was Ihnen heilig ist!“

„Schade, ich habe ihn schon Proskowja Iwanowna versprochen. Vielleicht nach ihr?“

„Wer wird denn etwas tragen, was Proskowja Iwanowna schon getragen hat? Ich fände das sehr merkwürdig von Ihnen, wenn Sie eine Fremde ihrer nächsten Freundin vorzögen!“

„Aber sie ist doch meine Tante zweiten Grades?“

„Ach, was ist das für eine Tante. Sie sind doch nur durch Ihren Mann mit ihr verwandt ... Nein, Sofja Iwanowna, davon will ich gar nichts hören — Sie wollen mich beleidigen, Sie haben mich wohl schon satt bekommen und wollen die Bekanntschaft mit mir abbrechen ...“

Die arme Sofja Iwanowna wußte garnicht, was sie anfangen sollte. Sie merkte sehr gut, in welch ein Kreuzfeuer sie geraten war. Das kam von der Wichtigtuerei! Sie hätte sich ihre dumme Zunge mit Nadeln zerstechen mögen.

„Nun, und was macht unser Galan?“ fuhr jetzt die in jeder Beziehung angenehme Dame fort.

„Ach Gott, ach Gott. Und da sitze ich die ganze Zeit über mit Ihnen zusammen. Eine schöne Geschichte! Wissen Sie Anna Grigorjewna, was ich Ihnen für eine Neuigkeit mitgebracht habe?“ Hier ging ihr der Atem aus, ein ganzer Schwall von Worten drängte sich ihr auf die Zunge wie eine Schar von Habichten, die wie ein Sturmwind dahinjagen und sich in schnellem Fluge zu überholen streben. Es gehörte schon die ganze unmenschliche Härte und Grausamkeit ihrer treusten Freundin dazu, um ihr an dieser Stelle ins Wort zu fallen.

„Loben Sie ihn und heben Sie ihn in den Himmel, soviel Sie wollen,“ sagte sie mit einer ungewöhnlichen Lebhaftigkeit. — „Und ich sage Ihnen — ich will es ihm meinetwegen selbst ins Gesicht sagen: er ist ein nichtswürdiger Mensch; ein nichtswürdiger, nichtswürdiger Mensch!“

„Ja aber hören Sie doch nur, was ich Ihnen mitzuteilen habe!“