„Nein, nein, Michael Semjonytsch, das sind so merkwürdige Gerüchte, daß einem davon ganz wirr im Kopfe wird, es heißt, es handele sich hier garnicht um Bauern, und ihre Ansiedelung, und man behauptet, dieser Tschitschikow sei eine höchst rätselhafte Persönlichkeit. Es werden höchst verdächtige Vermutungen laut, man redet so eigentümliche Dinge in der Stadt ...“

„Gestatten Sie mir bitte eine Frage: Sind Sie etwa ein altes Weib?“ fragte Sabakewitsch.

Diese Frage verblüffte den Staatsanwalt aufs äußerste. Er hatte sich noch nie gefragt, ob er ein altes Weib sei, oder irgend etwas andres.

„Sie sollten sich schämen, solche Fragen zu stellen und noch damit zu mir zu kommen,“ fuhr Sabakewitsch fort.

Der Staatsanwalt stammelte einige Entschuldigungen.

„Gehen Sie doch zu den alten Klatschweibern, die hinter ihrem Webstuhl sitzen und sich abends Schauergeschichten über Gespenster und Hexen erzählen. Oder wenn Ihnen mit Gottes Hilfe nichts Besseres einfallen will, dann spielen Sie doch lieber Knöchel mit den kleinen Jungen. Was kommen Sie und beunruhigen Sie einen ehrlichen Menschen? Bin ich etwa Ihr Hanswurst, wie? Sie kümmern sich zu wenig um Ihren Beruf, und denken zu wenig daran, dem Vaterland zu dienen, Ihren Nächsten nützlich zu sein und Ihre Kollegen zu schonen. Sie wollen immer der erste sein und laufen gleich hin, wenn irgend ein Esel Sie irgendwo hinschickt. Passen Sie auf, Sie werden noch einmal um nichts und wieder nichts zu Falle kommen, und elendiglich zugrunde gehn, ohne eine gute Erinnerung an sich zu hinterlassen.“

Der Staatsanwalt war ganz bestürzt und wußte absolut nicht, was er auf diese unerwartete Moralpredigt antworten sollte. Ganz beschämt und vernichtet verließ er Sabakewitsch: dieser aber rief ihm noch nach: „Pack dich zum Teufel, du Hund!“

In diesem Augenblick erschien Feodulia: „Warum ist der Staatsanwalt so plötzlich fortgegangen?“ fragte sie.

„Der Kerl hat Gewissensbisse bekommen und ist weggelaufen,“ versetzte Sabakewitsch. „Da hast du wieder so ein Beispiel, Herzchen. So ein alter Knabe! hat schon graue Haare und doch weiß ich, daß er noch immer den Frauen anderer Leute keine Ruhe läßt. Das ist einmal die Art dieser Menschen: sie sind eben Hundesöhne alle miteinander. Nicht genug, daß sie der lieben Erde durch ihren Müßiggang zur Last fallen, sie machen solche Sachen, daß man sie allesamt in einen Sack stecken und ins Wasser werfen sollte! Die ganze Stadt ist nichts wie eine Räuberhöhle. Wir haben hier nichts mehr zu suchen. Wir wollen nach Hause fahren.“

Frau Sabakewitsch wollte einwenden, daß ihr Kleid noch nicht fertig sei, und daß sie sich noch zu den Feiertagen ein paar Haubenbänder kaufen müsse, aber Sabakewitsch erklärte: „Das sind alles Modetorheiten, Herzchen; das nimmt noch ein schlechtes Ende.“ Er befahl, alles für die Reise vorzubereiten; begab sich selbst mit einem Polizeikommissar zu den drei Bürgern der Stadt, um die Pacht für die Rüben einzukassieren; ging hierauf zu der Schneiderin, nahm ihr das unfertige Kleid, an dem noch gearbeitet wurde, weg, ganz so wie es war, mit der darinsteckenden Nadel und dem Faden, um es zu Hause fertig nähen zu lassen, und fuhr bald darauf zur Stadt hinaus. Unterwegs wiederholte er fortwährend, es sei geradezu gefährlich, in diese Stadt zu kommen, denn hier säße ja ein Schuft und Gauner auf dem andern, und da könne es einem noch leicht passieren, daß man mit ihnen in dem allgemeinen Sumpfe versinke.