Inzwischen eilte der Staatsanwalt in der höchsten Bestürzung über den Empfang, den ihm Sabakewitsch bereitet hatte, nach Hause. Er befand sich in einer solchen Verlegenheit, daß er sich nicht einmal darüber klar werden konnte, wie er dem Präsidenten das Resultat seines Besuches mitteilen sollte.

Indessen auch der Präsident hatte nur wenig zur Aufklärung der Sache beigetragen. Er fuhr zuerst in seiner Kutsche in die Stadt und geriet dabei in eine so enge und schmutzige Gasse, daß während des ganzen Weges bald das rechte, bald das linke Rad seines Wagens höher stand als das andre. So kam es, daß er erst mit seinem Kinn und dann mit dem Hinterkopf sehr heftig auf seinen Spazierstock aufstieß und seine Kleider ganz mit Kot bespritzt wurden. Quatschend und schlürfend bahnte sich der Wagen den Weg durch den Kot, bis man endlich beim Probst anlangte, wo die Insassen von lebhaftem Schweinegegrunze begrüßt wurden. Der Präsident ließ seine Kutsche halt machen und ging zu Fuß an allerhand Zimmern und Stuben vorüber nach dem Hausflur. Hier bat er sich zunächst ein Handtuch aus, um sich das Gesicht abzuwischen. Karobotschka empfing ihn ganz so wie Tschitschikow, mit demselben melancholischen Ausdruck im Gesicht. Um den Hals hatte sie etwas wie ein Flanelltuch geschlungen. In dem Zimmer schwirrten unzählige Scharen von Fliegen, und auf dem Tisch stand ein undefinierbares Gericht, das ihnen offenbar sehr widerwärtig war, an das sie sich jedoch schon gewöhnt zu haben schienen. Korobotschka bat ihn Platz zu nehmen.

Der Präsident begann zuerst damit, daß er ihren Mann gekannt habe und ging dann plötzlich zu der Frage über: „Sagen Sie bitte, ist es wahr, daß neulich in der Nacht ein Mensch mit der Pistole in der Hand zu Ihnen gekommen ist und Ihnen gedroht hat, Sie zu ermorden, wenn Sie ihm nicht, der Teufel weiß was für Seelen abtreten wollten? Können Sie uns nicht erklären, was er damit eigentlich für eine Absicht verfolgte.“

„Gewiß, warum sollte ich das nicht können! Versetzen Sie sich doch in meine Lage: fünfundzwanzig Rubel in Banknoten! Ich weiß wirklich nicht: ich bin Witwe und habe ja gar keine Erfahrung; es ist doch so leicht, mich zu betrügen und noch dazu in einer Sache, von der ich wahrhaftig auch nicht das Mindeste verstehe, Väterchen. Was Hanf kostet, das weiß ich, Speck habe ich auch schon verkauft, noch voriges ...“

„Nein, bitte, erzählen Sie mir doch die Sache erst recht ausführlich. Wie war das doch? Hatte er wirklich eine Pistole in der Hand?“

„Nein, Väterchen. Gott behüte, Pistolen habe ich keine gesehen. Aber ich bin bloß eine Witwe — ich kann doch wirklich nicht wissen, wie hoch die toten Seelen im Preise stehen. Nicht wahr Väterchen, Sie werden mich nicht im Stiche lassen, sagen Sie es mir doch bitte, damit ich den richtigen Preis erfahre.“

„Was für einen Preis? Was für einen Preis, Mütterchen? Was für einen Preis meinen Sie?“

„Den Preis für tote Seelen, Väterchen!“

„Ist sie dumm geboren oder ist sie übergeschnappt?“ dachte der Präsident, indem er ihr starr ins Gesicht sah.

„Fünfundzwanzig Rubel? Ich weiß wirklich nicht, vielleicht sind sie fünfzig Rubel wert, oder sogar noch mehr.“