„Mir wirbelt alles im Kopfe herum,“ sagte der Staatsanwalt und legte gleichfalls den Pelz ab.
„Aus dieser Sache werde ich nicht klug,“ sprach der Vizegouverneur, indem er sich seines Pelzes entledigte.
Der Postmeister sagte gar nichts und begnügte sich damit, seinen Pelz abzulegen.
Man trat ins Zimmer, wo sofort ein kleiner Imbiß hereingetragen wurde. Die Provinzialbehörden können nun mal nicht ohne solch einen Imbiß auskommen, und wenn sich zwei Beamte in einer Provinz zusammenfinden, so stellt sich der Imbiß ganz von selbst als dritter im Bunde ein.
Der Gerichtspräsident trat an den Tisch, goß sich ein Gläschen bitteren Wermuth ein und sagte: „Schlagt mich tot, ich weiß nicht, wer dieser Tschitschikow ist.“
„Ich noch weniger,“ versetzte der Staatsanwalt. „Eine so verwickelte Affäre ist mir in meiner ganzen Praxis noch nicht vorgekommen, ich habe wirklich nicht den Mut, die Sache in die Hand zu nehmen.“
„Und doch! trotzalledem. Was der Mensch für einen weltmännischen Schliff besitzt!“ meinte der Postmeister, indem er sich erst einen dunklen Likör einschenkte, ein paar Tropfen von einem rosafarbenen hinzugoß und beide miteinander mischte: „Er war sicher in Paris. Ich glaube bestimmt, er ist etwas Ähnliches, wie ein Diplomat gewesen.“
In diesem Augenblick betrat der Polizeimeister das Zimmer, der allbekannte und so hoch verehrte Wohltäter der Stadt, der Abgott der Kaufmannschaft und berühmte Künstler und Arrangeur opulenter Diners, Soupers und sonstiger Festivitäten.
„Meine Herren,“ rief er aus, „ich habe nicht das Geringste über Tschitschikow erfahren können. Ich konnte doch nicht in seinen eigenen Papieren herumstöbern: er verläßt ja auch sein Zimmer garnicht mehr, und scheint krank zu sein. Ich habe mich auch bei seinen Leuten erkundigt. Seinen Bedienten Petruschka und den Kutscher Seliphan ausgefragt. Der erste war ein wenig betrunken, übrigens scheint er sich immer in solch einem Zustande zu befinden.“ Bei diesen Worten trat der Polizeimeister an das Anrichtetischchen und bereitete sich eine Mischung aus drei Likören. „Petruschka behauptet, sein Herr hätte mit allerhand Leuten zu tun gehabt, ich glaube, es sind lauter ehrenwerte Männer, die er nannte, so z. B. Perekrojewski ..... er führte dann noch eine Reihe von Gutsbesitzern an — alles Kollegienräte oder sogar Staatsräte. Der Kutscher Seliphan erzählt, alle hätten ihn für einen gescheiten Mann gehalten, weil er sich im Dienste vortrefflich bewährt und ausgezeichnet habe. Er habe im Zollamt gedient und hätte in irgend einer staatlichen Baukommission gesessen! Was das für eine Kommission gewesen sei, das konnte er mir jedoch nicht sagen. Er habe drei Pferde: „Eins hätten sie vor drei Jahren gekauft, den Schecken hätten sie gegen ein anderes von gleicher Farbe umgetauscht und das dritte hätten sie gleichfalls gekauft .....“ sagte er. Er erklärt ganz bestimmt, Tschitschikow heiße wirklich Pawel Iwanowitsch und sei Kollegienrat.“
Alle Beamten versanken in tiefes Sinnen.